proud magazine - Party, Reportagen, Stories und Lebensgefühl in Berlin
proud magazine cover #27

News for the ‘Magazin’ Category

Zurück zu Bier

Mission: Konzert & Poster – Postbahnhof. 21:00 Uhr. Mieses Nebel-Nieselregen Wetter. Mit Freundin und Freund im Gepäck, brav in der meterlangen Schlange vorm Eingang anstellen. Ausverkauft. Kaum drin, gleich mal checken, wo man ein Tourposter kaufen kann. Oh, guck, da läuft Max Herre! – Shit, nur T-Shirts im Angebot. Für meine Freundin und mich jeweils ein Albumcover Shirt purchased und rein ins Getümmel im Partnerlook. Biggie Songs laufen, der Raum ist voll, Biere werden gezischt und nun das ungeduldige Warten auf den Baus of da Nauf aka Wickeda MC.
BÄÄM! Die Tsunami-Band stimmt die ersten Takte an, Samy kommt raus mit “Kiss” Cappy, Jesus Frisur, schwarzem “S” Shirt und einem weißen Hemd drüber. Was folgt, ist ein 140-minütiger Staccato-Toast-Sing-Rap-Dauerbeschuss. Kurzer Auftritt von Max (welch Überraschung) bei “Zurück zu wir”. Die Band spielt z.T. neue Versionen der Tracks und lässt im Zusammenspiel mit Samys MC Performance die Halle erbeben. In der Mitte des Konzerts laufe ich zum Eingang und schnappe mir das einzige Poster in diesem Laden. Samy spielt fast alles, außer leider “Weg vom Set” und “Bis die Sonne rauskommt”. Egal, trotzdem alles kool: kooles Konzert, kooler Typ, kooles Shirt & kooles Plakat. Mission erfüllt!

John Sean-Jean

Posted: Dezember 6th, 2011
Categories: Sounds
Tags:
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Listen to… DJ Hell- Teufelswerk-House Remixes

Artist: Various Artists
Title: DJ Hell- Teufelswerk-House Remixes
Label: International Deejay Gigolos

Man hört immer wieder von Postkarten, die zig Jahre zu spät ankommen und auf einen ähnlichen Fauxpass der deutschen Post habe ich zunächst auch spekuliert, als diese Platte in der Redaktion anflatterte. Immerhin hat das “Teufelswerk” des ehemaligen Posterboys der Technoszene schon geschlagene 2 Jahre auf dem Buckel. Jetzt also die House-Remixes mit beachtlichem Potential. Axel Boman verwandelt “The Angst” in ein schimmerndes Diskostück und Solomun bringt seinen Trademark-Sound auf der “Day”-Seite zum Tragen. Hells alter Wegbegleiter Peter Kruder remixt “Germania” und bringt die verloren geglaubte Kuhglocke mal wieder zum Einsatz. Die Definition von House ist ziemlich weit gefasst und genau das macht diese Platte so interessant. Das Warten auf diese Postkarte hat sich gelohnt.

Daniel Penk! Peng!

DJ Hell – The Angst (Tony Lionni Remix) Snippet by GigoloRecords

DJ Hell – Germania (Peter Kruder Remix) Snippet by GigoloRecords

DJ Hell – Germania (Solomun Remix) Snippet by GigoloRecords

DJ Hell – Wonderland (Fabrice Lig Remix) Snippet by GigoloRecords

❀ Geschwister Schumann im proud Artist Shoot ❀

Geschwister Schumann im proud Artist Shoot

Es sind die kleinen Momente. 2007 singt Pola Schumann aus Spaß auf den Song ihres Bruders Max, der elektronische Musik produziert und auflegt. Beide merken, dass Polas Stimme perfekt zu seinen Klangwelten passt und die Idee der “Geschwister Schumann” nimmt erste Formen an. In Berlin erspielten sie sich durch ihren gefühlvollen, deepen Sound schnell ein größeres Publikum und ihre gefeierten Liveperformances enden meist im kollektivem Tanzrausch. Max bastelt Beats, spielt Melodica und Saxophon und Pola singt vom Leben zwischen Großstadt und Verlassen sein, zwischen Liebe und der Suche nach dem Moment. Musik, die man fühlt.

Der Held meiner Kindheit war…

Max: Meine Eltern
Pola: 3 Fragezeichen

01 Geschwister Schumann – Hunting through the night by Geschwister Schumann

Musik bedeutet…

Max: Alles zwischen freiern und trauern.
Pola: Die größten Prägungen, Faszinationen und Einflüsse in meinem Leben.

Geschwister Schumann im proud Artist Shoot

Mit wem würdest du gerne mal Musik machen?

Max: Mit DJ Koze.
Pola: Mit unserem jüngerem Bruder.

Das nervt mich an meiner Schwester/Bruder:

Max: Ich habe gerade wirklich lange überlegt, mir fällt tatsächlich nichts ein.
Pola: Dass zuweilen das Entspannte so nah am Launischen liegt.

Wie finden deine Eltern eure Musik?

Max: Meiner Mutter gefallen die meisten Sachen sehr gut(sie war sogar schonmal im Gate).Mein Vater, der sein Leben lang selbst Musik gemacht hat mag unsere Musik auch, bringt aber immer wieder konstruktive Kritik an.
Pola: Unsere Mutter erfreut sich an Allem und mein Vater ist kritischer. Er will “Strange Time” remixen, wir sind gespannt!

Unser bester Gig war…

Max: schwer zu sagen, ich glaub das erste Mal im Golden Gate
Pola: Immer wenn es ein gemeinsames Fest ist! Ganz besonders beim Sundays Festival!

Geschwister Schumann im proud Artist Shoot

Welches Buch hat dich inspiriert?

Max: Die Leiden des jungen Werther.
Pola: Doors of Perception.

Welches Adjektiv trifft am besten auf deine Schwester/ deinen Bruder zu?

Max: einzigartig
Pola: talentiert, vielfältig, vielbeschäftigt, selbtlos.

02 Geschwister Schumann – at the frontier by Geschwister Schumann

Was war deine Lieblinsserie als du ein Kind warst?

Max: Malcolm mittendrin
Pola: Sendung mit der Maus, Sesamstraße, Loriot.

Wo verbringst du die meiste Zeit?

Max: im Studio/ im Bett
Pola: In den Irrungen und Wirrungen meines Berliner Alltags.

Geschwister Schumann im proud Artist Shoot

Aus welchem Land kommen die besten Filme?

Max: Amerika
Pola: Skandinavien

Welche Erfindung macht dir Freude?

Max: Digital-Analog-Wandler/Synthesizer
Pola: Fahrräder und Musikabspielgeräte. Vor allem diese, die klein und handlich sind und an die entlegensten Orte mitgenommen werden können.

Was ist dein persönlicher lieblingsplatz in Berlin?

Max: der Teufelsberg
Pola: Dächer im Sommer mit guten Freunden, Grill und Bier.

Worüber streitest du dich mit deiner Schwester/ deinem Bruder am Häufigsten?

Max: Ich bin manchmal schlecht gelaunt und gestresst und sie kriegt das dann ab…
Pola: Wer am Schönsten singen kann!

Geschwister Schumann im proud Artist Shoot

Das perfekte Haustier?

Max: Mein imaginärer Haase.
Pola: Blumen.

Was darf bei keinem Essen fehlen?

Max: Zwiebeln und Knoblauch.
Pola: Andere Menschen und Geschichten.

Das schlimmste Geschenk, das du je bekommen hast?

Max: Damals hab ich mich extrem gefreut aber jetzt würd ich sagen, eine Backstreet Boys Konzertkarte.
Pola: Fataler war eher das Fehlen an Geschenken aufgrund halb vergessener Geburtstage seitens der Eltern.

Geschwister Schumann im proud Artist Shoot

Deine Lebensphilosophie?

Max: Der kategorische Imperativ – Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. Immanuel Kant.
Pola: Bewusst und humorvoll leben.

Geschwister Schumann im proud Artist Shoot

Wo hattest du deinen ersten Kuss?

Max: beim Flaschendrehen
Pola: auf der Eisbahn.

01 Geschwister Schumann – your way by Geschwister Schumann

Steckbrief von Daniel Penk & Nina Schönn

Styling • Concept • Production Haniball Saliba

Photographer Lukasz Wolejko-Wolejszo

Hair & Make-up Catrin Kreyss @ Perfect Props

#26 Editorial by Emin Mahrt

Mit der Ausgabe 26 erreichen wir den Altersdurchschnitt der proud. Viel ist passiert in den letzten Monaten. Jascha, der maßgebliche Motor unserer Ausgabe proud Rio de Janeiro, ist zurück in Berlin. Gemeinsam tüfteln wir an unseren Zukunftsvisionen für die nächsten Monate und Jahre.

Viel Kritik, zwei Bachelor-Arbeiten und Redaktionskonferenzen in verschiedensten Konstellationen geben uns frischen Wind und Ansporn. Die proud bekommt nach langer Zeit gleich zwei neue Chefredakteure: Moritz Stellmacher und Emin Mahrt.

Inzwischen sind wir zu 100% in unserem neuen Büro im tiefsten Neukölln angekommen. Bis auf die Lampen, die seit März in Pappkartons lagern, steht auch unsere Einrichtung. Zeit für eine Einweihungsparty. Mathias Meindl zu Besuch inklusive aller proud Talents  ließ uns dann auch gleich unsere Nachbarn kennenlernen. Voll im Berliner Partysommer touren die Talents (Streiflicht, Ente & Wolf, Beatmoertelz, Josia Loos, I love Sunday, Oddvar und Co.) von Party zu Party.

Zusammen mit der Ufer-WG feierten wir als Spaceinvaders am Halleschen Tor  und im Freudenzimmer den Abschied von I Love Sunday-Chris, unserem Dauerpraktikanten. Kein Wochenende blieb ungenutzt, wenn wir nicht aus Selbstzweck unterwegs waren, ging es anderen an den Kragen. Gemeinsam mit den Start-ups 6Wunderkinder, BuddyBeers, Unlike Berlin und vielen Anderen, feierten wir die erste “Silicon Allee” Party.

Halb aus Spontanität, halb aus Faulheit uns einen Raum zum Feiern zu suchen, endeten zahlreiche unserer Partys unter Grund. Tiefgaragen , ein verlassener S-Bahn Bogen, die Bärenquell Brauerei (waren Schauplätze. Nicht immer elektronisch gab es auch akustische Einlagen von Black Mistake. Nicht immer lief alles nach Plan. Am Hermannplatz, im 1920 errichteten Ballsaal, dessen Türen lange unbemerkt weit offen standen, wollte trotz einer Expertenrunde von 20 männlichen Stromgenerator-Kennern keiner der beiden Aggregate anspringen.

Glücksmomente gab es kurz darauf zum Open Air  mitten auf der Oberbaumbrücke. Stundenlang erweiterte sich die Traube um zwei Aktivboxen und Daniel Penk! Peng!, der die kurz nach 1 Uhr morgens anrückende Polizeistreife mit “Sound of Da Police – KRS One” empfing. Die Lacher auf unserer Seite, (der später freundliche Polizist hatte seine Hand kurzzeitig am Schlagstock) folgten wir der Einladung von Jacob Scheer seinen Schnitzel-Laden (Scheers Schnitzel) zu bespielen – mehr dazu in diesem Magazin.

Der absolute Höhepunkt war jedoch die, dank Euch und unseren Freunden -Muschi Kreuzberg, Radio Skateboards und DEUTSCH Magazin – atemraubende proud Party auf dem Arena Gelände – wer das Video dazu noch nicht gesehen hat, sollte das nachholen.

Als am 12. Juli das Telefon klingelte, legten wir die Arbeit nieder. An der Strippe das Management von Snoop Dogg mit der Frage, ob wir einen Hip-Hop DJ als Pre-Act für Snoop hätten. Keine Frage: Mixmaster, The Eclectic KusKus, Mr. Transatlantic, the one and only Chef der Musikredaktion Lev Nordstrom wurde gerufen – und folgte. Und wir folgten ihm.

Folgen taten wir auch dem Aufruf des Antalya Filmfestivals in der Türkei, das uns einlud unseren 2010/2011 produzierten Film über einen Flaschensammler in Berlin “Para Para (Money Money)” einzureichen. Erst später stellten wir fest, das dafür ein fester Wohnsitz und die Gründung einer Firma von Nöten ist. Noch im gleichen Monat mieteten wir uns mit einem Künstler ein Atelier am Taksim in Istanbul  und registrierten proud turkey. Besucher herzlich willkommen.

Während die Bread&Butter  an uns vorbeiflog, wir es uns nicht nehmen ließen in die Model-Pools von G-Star zu springen, suchten wir eifrig nach neuen Herausforderungen. Eine war der Hoch-Tief-Bunker am Halleschen Tor dessen Besitzer (spanische Kunstmillionäre) leider nicht zu überzeugen waren ein zweites Berghain zu erschaffen. Eine spontane Party wurde abgeblasen, als sich das Nachbarschaftshaus als Secuitas-Trainingslager herausstellte.

Wir schafften uns einen Hund an. Die gesamte proud Redaktion verausgabte sich beim Umzug der Champagneria, die nach Beschwerden der Nachbarschaft über Lautstärke ausziehen musste. Unser Talents-Manager Bennjamin Gruber trommelte zur Hochzeit mit Birte , der neuen Gruber und Yara feierte einen gelungenes Geburtstags-BBQ auf dem Dach der Neukölln Arcaden.

In diesem Moment befinden sich die proud Talents gemeinsam auf dem Sommer-Spirit Festival, wo sie ihren eigenen Floor bespielen, unser Lieblingsgrafikdesigner und Art Director Vinzent Britz verbringt ein Auslandssemester in London und Dank dropbox.com flattern stündlich neue Designs auf unsere Rechner während Maxim Rosenbauer, der für das proud Party Video verantwortlich ist, im Locho Freibad eine Fotostrecke schießt.

Wir möchten alle ausdrücklich auffordern Kritik und Wünsche zu äußern (030 52136881 / leserbrief@proud.de) und mit uns das Leben zu genießen. Wer kein Bock mehr auf Suchen hat, kann sich ab sofort unter abo.proud.de für ein kostenfreies Abo registrieren.

Viel Spaß mit der Ausgabe

Emin

P.S. Alle Penisse – nicht weil wir es wollten, sondern weil wir es mussten – wurden zensiert.

 

Listen to… Heidi presents The Jackathon

Artist: Various Artists
Title: Compilation: Heidi presents The Jackathon
Label: Get Physical

House, House and more fucking House. Neben der Aussicht auf freudetrunkene Touristinnen, ist Heidi’s regelmäßige Jackathon Party wohl das schlüssigste Argument mal wieder ins Watergate zu gehen. Der hedonistische Housesound mit Oldschool Referenzen kickt einfach immer noch und erhält in dieser feinen Compilation eine würdige Huldigung. Fast alle Tracks wurden eigens dafür von Artists wie Soul Clap, Mathias Kaden oder Steve Bug produziert. Der Mix gibt die Essenz von dem was diese Partys ausmacht. Punktgenaue Grooves und der deepe Spirit Chicagos. Die Hände in der Luft und der ganze Körper in Bewegung. Derrick Carters Stimme heizt die siedende Atmosphäre zudem stetig, mit den altbekannten und immer noch wahren House-Weisheiten an. This is our house.

Daniel Penk! Peng!

Heidi Presents The Jackathon: by Get Physical Music

Schuhbacca – Espandrilles

Liebe Leserschaft,

mich treibt die Frage um, ab wann man eigentlich ein Deutscher ist? Per Gesetz: sobald man einen deutschen Pass besitzt. Das kommt aber für einen per se Staatenlosen wie mich gar nicht erst in Frage. Ich komme aus dem Weltall und irdische Reisepässe werden dort im besten Fall verspottet. Es reicht doch, dass man mir die Rasse am Pelz ablesen kann. Welchen Menschen interessiert es, aus welcher Region meines Heimatplaneten ich stamme. Ihr könnt die Unterschiede der Brust- und Schulterbehaarung ohnehin nicht erkennen.

Die Frage nach der Identität wird mit einem Pass ohnehin nicht beantwortet. Der von Euch dezent betonte Migrationshintergrund relativiert ohnehin jede Staatsangehörigkeit. Willkommen in Deutschland. Deutsch im Herzen ist man also nicht, sobald man hier wohnt, hier zum Bürgeramt geht und hier wählen darf. Das heißt nicht, dass man dadurch zwangsläufig deutsch ist. Nein, erst wenn man es so macht wie die Deutschen, ist man das auch. Wie macht man es aber wie ein Deutscher? Es gibt dafür leider keine brauchbare Anleitung.

Wo ist die Leitkultur hin?

Der Köbes, der seinen Oachkatzlschwoaf am Backfisch reibt dafür uffjehangen wird, weil es laut Sex-Statistik nach 3,1 Tagen wieder mal für 17 Minuten heiß hergehen sollte, ist – sprachlich gesehen – eher eine Reise durch das gesamte Bundesgebiet als eine altersübergreifende Liebesgeschichte. Aber wer kennt sich schon in allen Dialekten der vier Himmelsrichtungen aus? Die Suche geht also weiter. Der Heilige Gral dieser Nachforschung wird mit Wasser gefüllt sein. Deutschland ist immerhin das Land der Wässer: Die Anzahl der Tafel-, Mineral- und Heilwässer sowie Quell- und Sodawässer lässt jeden Touristen erstaunen. Unendliche Definitionen hält die Mineral- und Tafelwasserverordnung dafür bereit. Das ist also deutsch. Ein Wasser müsste ich sein, kein Haarmonster. Dann hätte ich auch sofort eine deutsche Partnerin: die hässliche Einwegpfandflasche aus dünnem Plastik, gegebenenfalls Plaste.

Warum in die Nähe schweifen? Sieh das Deutsche ist so fern.

Deutsche machen Urlaub auf Mallorca. Das ist klar. Auf der Wurststraße Wurst sein. Als Zeichen meiner Verbundenheit zu dem deutschen Volk trage ich also Espandrilles, die Schuhe der Mallorquiner. Ich trage sie dieses Jahr zum ersten Mal, denn ich folge den Trends üblicherweise erst, wenn sie nach dem zweiten Aufwärmen am Abklingen sind. Als Alien halte ich mich grundsätzlich nicht an die aktuellen Moden der Erde. Da könnte ja jeder kommen! Espandrilles waren das erste Mal in den 80ern voll trendy, seit einigen Jahren sind sie dafür hip. Wer was auf sich hält, der trägt Espandrilles.

Aber welche sind die echt-deutschen Espandrilles?

Sind sie ein- oder mehrfarbig, mit angeklebter Vollgummisohle, nur ein bisschen Gummi oder ohne Klebesohle, sodass man direkt auf der Faser läuft, die wahlweise hand- oder maschinengefertigt ist? Soll man sich für 15 bis 25 Euro Espandrilles kaufen oder für 300 Euro von Edelmarken, die damit ein Zeichen des Downgradings statuieren? Darf es vielleicht das Wegwerfprodukt für 5 Euro sein, wie es sie bei Nanu Nana, dem deutschen Nippesschuppen Nummer 1 gibt? Dessen Besitzer hat übrigens aus auf der Ferieninsel Nummer 2, Sylt, den Namen Nanu Nana erfunden, als er dort als Hobbyfotograf die damals Reichen und Schönen ablichtete. Soviel zur Leitkultur. Nur meine Frage beantwortet sie nicht.

Vielleicht ist es die althergebrachte, deutsche Ignoranz, die als Reaktion auf Neues und Unbekanntes reflexartig hervortritt. Reflexe sind immerhin Reaktion, die das Gehirn quasi überspringen. Dunkle Haut und Haare – muss türkisch sein. Fernseher kaputt – muss an den Chinesen liegen. Mauerbau – waren die anderen. Migrationsprobleme – sind die anderen. Behaart Monster – ist ein Penner. Danke.

Mit dieser Ignoranz wird es sich aber nicht weit gehen lassen. Denn dem deutschen Michel werden sich seine „Espandrijo-Latschen“ vom Fuß lösen, sobald ein Platzregen das Gemüt reinigen will. Das ist der Sommer 2011. Espandrilles sind höchst wasserempfindlich. Werden bei eindringlichem Kontakt hart, lösen sich auf und fangen an zu riechen.

Schick, einfach, unbeständig. Das ist mein Ergebnis zur Leitkultur, wo man diese auch immer finden mag. Willkommen in Deutschlands Spätsommer 2011.

Euer Schubacca

Foto Nina Sage, Miron Tenenberg

Posted: Oktober 10th, 2011
Categories: Magazin, Reports, Schuhbacca
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Offset with Axel Bartsch

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Also machte ich mich auf in‘s Rechenzentrum, wo am Wochenende vom 12.-14. Juni als Einstimmung auf die Festival Saison „Reisen macht den Kopf frei“ stattfand. Axel Bartsch hatte bereits angefangen, als ich am Samstag gegen 17 Uhr dort eintraf. Mit der Tram 21 raus zu gondeln ist auch echt eine Weltreise, allerdings wurde ich für meine Mühen mit herrlicher Sonne, angenehmer Atmosphäre und einem tollen Interview mit Axel entlohnt.

Axel, die erste Frage liegt auf der Hand, als ich kam, war niemand auf der Tanzfläche, alle hingen in den Liegestühlen und am Wasser rum. Du hast den Dancefloor innerhalb deiner 2 Stunden gut gefüllt, denn jetzt sitzt fast niemand mehr, wie macht man das?

Ja stimmt wohl, aber ganz genau erklären kann ich das auch nicht. Ich hab mich heute nicht am Publikum, sondern vor allem an meinem eigenen Geschmack orientiert, einfach aufgelegt worauf ich Bock hatte. Und es scheint, als hätte ich eine Schnittmenge mit dem Publikum gefunden.

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„Reisen macht den Kopf frei“ würdest du als DJ, der ja viel unterwegs ist, sagen, dass ist richtig? Oder nervt es manchmal auch zum Flughafen zu fahren?

Gute Frage! Obwohl das im Zusammenhang mit der Party ja wohl eher als so ne Auszeit vom Alltag zu sehen ist. Es soll auf einen Trip gehen. Also wenn ich reise ist es meist schön, man hat auch schon zwischendurch mal Zeit sich umzuschauen. Auch gerade das im Flieger sitzen hat was meditatives, da kann man sich gut neu ordnen weil man auch viel allein ist. Fast ein bisschen wie Joggen.

Welcher Track aus deinem Set ist dir am besten im Gedächtnis geblieben?

Das sind natürlich mehrere, aber das Publikum ging am meisten bei einem Remix von mir ab, den ich für Towie gemacht habe, einem noch nicht so bekannten Künstler auf no dough records, einem Digitallabel. Ich spiele sonst eigentlich selten Eigenproduktionen, da ich, wenn ich einen Track fertig habe und er endlich rauskommt, ihn selbst schon fast nicht mehr hören kann. Das geht wohl fast jedem so.

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Letztes Jahr ist ja dein Album Kiss erschienen, auf was können wir uns dieses Jahr noch freuen?

Ich sammle gerade viele neue Ideen. Aber die Zeit vergeht so schnell in Berlin. Ich hab kürzlich ein Projekt mit Jake the Rapper gemacht, er Vocals und ich die Musik, bei dem wir gerade schauen, wo wir es rausbringen. Außerdem wird‘s noch ein paar Remixe von mir geben und ich bin dabei mein Label Sportclub wieder neu aufzustellen. Früher war es einfach eine Plattform für mich und Asem, schnell und ohne Umwege Sachen rauszubringen, die wir gut fanden. Jetzt hab ich noch ein paar Leute mehr ins Boot geholt, die für frischen Wind sorgen werden. Ab September ist da mit Neuigkeiten zu rechnen.

Spielst du denn im Sommer lieber im Club oder Open Air wie heute?

Das ist ganz unterschiedlich. Grundsätzlich ist halt der Club das worum es geht, aber gerade hier in Berlin die Open Airs, besonders auch die illegalen Geschichten, wo dann plötzlich 2000 Leute im Park tanzen, das ist einfach ein Kracher und da hab ich schon auch immer Bock drauf. Also es hat beides seinen Reiz.

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Was macht denn Berlin für dich zu etwas Besonderem?

Da gibt es sehr vieles. Ich spiele ja Mittlerweile sehr viel in Berlin und wenn man dann so außerhalb unterwegs ist kommt es schon mal vor, dass die Party nicht so gut ist oder die Atmosphäre ein bisschen lau. In Berlin passiert mir das sehr sehr selten. Also trotz riesengroßer Clublandschaft gibt ‚s kaum schlechte Partys, jedenfalls spiel ich da nicht.

Bleibst du nach dem Auflegen meist länger da?

Ja absolut, dieses Kommen und Gehen finde ich doof.

Gibt‘s denn noch ein Land wo du noch nicht warst und wo du schon immer hinwolltest?

Ja auf jeden Fall, ich war noch nie in Australien. Oder dann eben auch gern so Länder wie China wo sich die Technoszene noch nicht so richtig etabliert hat, so etwas hat einfach immer nen besonderen Vibe!

Danke, schönen Tag und gute Heimreise!

myspace.com/axelbartsch
sportclub-music.de

Text Benny Gruber 

Image Jannis Mayr

Posted: Oktober 10th, 2011
Categories: Chat
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