proud magazine - Party, Reportagen, Stories und Lebensgefühl in Berlin
proud magazine cover #27

News for the ‘Last Look’ Category

Focused Artist Esra Rotthoff

 

Kannst du dich kurz vorstellen, in ein paar Sätzen.

Ich bin Esra Rotthoff, bin in Berlin geboren und arbeite als Gestalterin und erstelle visuelle Konzepte. Egal, ob es Grafik, Fotografie, Illustration oder bewegte Bilder sind. Die Hauptsache ist, dass ich meine Idee, die ich im Kopf habe mit dem am besten geeigneten Medium umsetzen kann. Ich lebe in Kreuzberg, arbeite dort, bin total happy und werde Berlin so schnell nicht verlassen.

Wie bist du zur Kunst gekommen?

Ich habe mein Leben lang gezeichnet und gemalt. Acryl und Öl, was man so alles macht, wenn man 17 ist und nach der Schule nichts Besseres zu tun hat. Zur Abizeit habe ich viel Output gehabt. Ich habe in zwei Monaten 40 Bilder gemalt und dann gesagt : “Ok jetzt hab ich kein Bock mehr, jetzt mach ich Fotografie”. Dann hab ich angefangen an der UdK Visuelle Kommunikation zu studieren, was sehr gut war, weil man viele Medien vorgestellt bekommt. Auch, weil man mit vielen verschiedenen Leuten aus verschiedenen Altersstufen und Bereichen zusammenarbeiten kann. Für mich war es eigentlich immer klar, dass ich nichts Anderes werde, als in irgendeiner Form Kunstschaffende.

Nach der UdK, wie ging es da weiter, hast du dich gleich selbstständig gemacht?

Ich arbeite jetzt seit 11 Jahren als Gestalterin. Ich habe im ersten Semester angefangen zu arbeiten und sofort Jobs gemacht. Ich wollte in meinem Bereich Fuß fassen. Ich habe die Möglichkeit bekommen kontinuierlich zu arbeiten. Ich konnte so sehr viele Erfahrungen sammeln und habe während des Studiums mit zwei Kommilitonen das Magazin Berlin Haushoch entwickelt.

Kannst du uns nochmal das Konzept von Berlin Haushoch erklären.

Das Magazin porträtiert pro Ausgabe immer einen Berliner Stadtteil. Dafür ziehen wir dann mit unserem Designbüro von Stadtteil zu Stadtteil. Die erste Ausgabe war Marzahn. Wir wollten uns nur Ausstellungsflächen in Marzahn anschauen und boom, plötzlich hatten wir einen Magazinschatz und viele Preise gewonnen. Das Konzept stand, also haben wir weiter gemacht und porträtierten drei Bezirke. Nach der Marzahn-Ausgabe sind wir mit unserem Redaktionssitz nach Wedding gezogen, dann nach Charlottenburg und jetzt machen wir Mitte.

Die Charlottenburg-Ausgabe ist super gelaufen und ich wollte noch ein freies, nicht kommerzielles Projekt machen, deswegen entschied ich mich für den Meisterschüler. Wenn du an der UdK ein 1,0 Diplom machst, wird dir der Meisterschüler angeboten, das ist praktisch ein Ph.D. in der Kunst. Seitdem ich den Meisterschüler gemacht habe, habe ich abwechselnd sehr kommerziell und sehr künstlerisch gearbeitet. Ich hab Art-Direktion für große Kunden gemacht, wo ich ich Nächte durchgemacht hab und sehr wenig geschlafen habe. Jetzt mache ich unter anderem auch die künstlerische Leitung einer Grundschule im Tiergarten. Das läuft über zwei Jahre. Ich habe den Namen mit ausgesucht, ich habe bestimmt, wie die Wände angemalt werden. Ich kann mich da kreativ total entfalten. Mit den Kindern zusammenarbeiten ist ein Herzensprojekt, wo ich mir denke: “Geil man, sowas wolltest du schon immer mal machen in Berlin und du gestaltest einfach mal eine Schule.”

Wie bist du zu der Kooperation mit dem Ballhaus gekommen?

Dazu muss ich sagen, meine Mama kommt aus der Türkei und mein Papa ist Deutscher. Ich bin dann durch Zufall an das Theater geraten. Ich bin da rein, völlig verkatert, an einem Samstag. Eine Freundin von mir hat mich mitgeschleppt, ich dachte das geht jetzt gar nicht, habe mich hingesetzt – pling! – bin ich wach geworden und habe mir gedacht: “Nee das gibt ́s nicht, was ist das hier für ́n Ort?”. Ich bin rausgekommen und habe zehn Tickets, für zwei Tage später geholt. Ich habe meine ganze Familie und Freunde mitgenommen. Dann war ich sehr oft da und habe Stücke angeguckt und nach dem dritten Stück habe ich dann Shermin (Anm. d. Red.: Shermin Langhoff ist die Künstlerische Leiterin des Festivals) kennengelernt. Sie meinte: “Ähhh wer bist du, was machst du?” und man kennt sich ja schon irgendwie in Berlin. Sie wusste auch schon was ich mache und meinte dann gleich zu mir: “Ey hast Du nicht Lust hier die Art-Direktion zu machen?”. Ich meinte: ”Klar! Warum nicht? Quatschen wir mal!” Das war vor vier oder fünf Monaten und jetzt ist das Ding gedruckt.

Was war die Idee hinter den Bildern für das Festival?

Das Hauptmotiv ist das Bild mit dem Lamm. Da hab ich viel überlegt. Ich war auf der Suche nach einem Symbol, das in unterschiedlichen Kulturen verschiedene Konnotationen hat. Einerseits steht es als Symbol des göttlichen Lamms in der europäischen Kunstgeschichte. In der Türkei werden Lämmer zum Opferfest geschlachtet und es ist normal, dass jeder mal gesehen hat, wie ein Lamm geschlachtet wird. Mit dem toten Lamm greife ich das Lamm als Symbol für die Malerei auf. Es ging mir erstmal ums Hauptmotiv. Ich suche mir immer erstmal ein Hauptmotiv und gehe dann davon aus den Rest zu kreieren.

Es ist sowieso meine Stilistik, weil ich aus der Malerei komme, die Sachen vorher zu zeichnen. Meine Bilder und Fotografien sind malerisch. Im Islam ist es so, dass man keine Abbilder vom Menschen schaffen darf, aus Respekt vor Gott. Deshalb arbeiten sie auch viel mit Mosaiken und haben eine ganz andere Kunstgeschichte. Wenn man sich die Kunstszene in Istanbul anguckt – ich war oft in Istanbul in den letzten Monaten – habe ich das Gefühl sie ist einige Jahre zurück. Für die Strecke im Ballhaus erschuf ich Bilder mit der Bildsprache der westlichen Kunst-geschichte und mit türkischen Elementen. Das Bild vom Lamm und Sesede ist kontrovers für beide Seiten. Gleichzeitig erlebe ich, dass das Bild schön gefunden wird, weil es ästhetisch ist, weil man das Gefühl hat man kennt das Bild, es hat etwas Ikonographisches. Genau dort ist dieser Bruch und deshalb kommt eine Kommunikation zwischen den Betrachtern zustande. Es ist es eine konzeptionelle Arbeit. Auf der Kernidee basieren alle Fotos. Gestern war meine Vernissage, die Bilder sind alle ausbelichtet und gerahmt im Theater, die Druckerzeugnisse sind geliefert und das Festival hat endlich angefangen und ich kann mich jetzt zurücklehnen und wie am Anfang als Zuschauer die Inszenierungen genießen.

Vom 31.8 bis zum 31.10 kann man sich die Bilder im Ballhaus in der Naunystraße 27 ansehen.

Interview Moritz Stellmacher

Esra Rotthoff – esrarotthoff.com

Almancı! 50 JAHRE SCHEINEHE feiert und reflektiert das Ballhaus Naunynstraße zum Auftakt der Spielzeit 2011/2012 – das 50-jährige Jubiläum des Anwerbeabkommens mit der Türkei. Eröffnet wird das Festival am 31. August mit Lukas Langhoffs Inszenierung “Pauschalreise – Die 1. Generation”. Esra Rotthoff hat für das 50-jährige Jubiläum fast alle Motive geschossen. Auch das Coverbild (Motiv der Inszenierung “Pauschalreise – Die 1. Geneartion”) ist von ihr. Außerdem wird es mit “GEGEN DIE LEINWÄNDE” ein Panorama aus fünfzig Filmen deutsch-türkischen Filmschaffens geben.

Programm (Auswahl):

Pauschalreise – DIE 1. GENERATION

Ein fiktiver Text für reale Menschen von Hakan Savas Mican Premiere 31.8.2011, 20 Uhr

Weitere Vorstellungen 1.9.2011 und 7.–10.9.2011, 20 Uhr

GEGEN DIE LEINWÄNDE: Gül Hasan / Hasan the Rose

SW/TR 1979, 82 min, omU Regie: Tuncel Kurtiz

Mit: Tuncel Kurtiz, Müjdat Gezen, Yaman Okay, Nuri Sezer

Produktion: Nuri Sezer, Tuncel Kurtiz 5.9.2011, 18 Uhr, Eiszeit-Kino

VIBRATIONSHINTERGRUND: freitext- special

Literarische Erinnerungen und Fortschreibungen, Lesung mit anschließender Lounge

16.9.2011, 22 Uhr

KAHVEHANE RELOADED Turkish Delight – German Fright*

Ein Theaterparcours mit Mini-Inszenierungen in anatolischen Kaffeehäu-sern in und um die Naunynstraße 21.–23.9.2011, 15.30–20.30 Uhr 24. und 25.9.2011, 11.30–16.30 Uhr

Start alle 30 Minuten am Ballhaus

The triangulated world of Nora Lena Meyer

Ihr Bild „Der Trinärcode“ ziert unser aktuelles Cover. Abstrakt chaotisch, simpel und verspielt treffen ihre Bilder das unvorbereitete Auge des Betrachters. Sie zerlegt die Welt ihrer großformatigen Bilder in kleine unscharf abgegrenzte Farb- und Strukturinseln, die bei noch genauerer Betrachtung in die kleinste und somit Grund-Einheit ihres Schaffens zerfallen – das Dreieck, der Ursprung von jeglichen Symbolismus. Nora Lena Meyer lässt durch Rekombination, Überlagerung und das Hinzufügen immer neuer Materialien und Techniken großartige Chaoswelten mit starker Dramaturgie und Dynamik entstehen. In ihren Bilder findet man durch die Abstraktionskraft und Synesthesie des eigenen Ichs die Ruhe im Chaos und die höherrangige Ordnung im System.

Du arbeitest vor allem mit Großformaten. Ist es für Dich eine Herausforderung gewesen, Dich auf eine A4 Seite für unser Cover zu begrenzen?

Ein kleineres Format füllt nicht ganz den ganzen Blickwinkel des Betrachters. Meine Herangehensweise ist dabei mehr eine klar strukturierte Formenstudie als ein chaotisches Netz.

Deine großformatigen Werke sind für mich Bilder, vor die ich mich setze und mein Betrachtungswinkel ändert sich durch tieferes Eintauchen ständig.

Ja, man wird förmlich eingesaugt. Die Fernwirkung ergibt zunächst große Unruhe, doch wenn man sich darauf einlässt, entdeckt man immer neue Farbfelder, Oberflächen, Muster und zusammenhängende Formen, die wiederum in Kommunikation zueinander treten. Es gibt auch meist weniger verdichtete Stellen, fast wie Ruhepole im Bild, dann wieder Stellen auf denen sich 5-6 Farben und Strukturen überlagern und unterschiedliche Raumtiefen entstehen.

Trotzdem entsteht das Chaotische aus einer sehr reduzierten, einfachen Form. Von weitem betrachtet wirken manche Bilder erstmal wie ein impressionistisches Gemälde.

Das ist ein sehr interessanter Kontrast, den ich bewusst provoziere, gerade diese harte spitze Dreiecksform durch Kombination auf zu lösen. Wenn man viele Dreiecke nebeneinander anlegt, bekommt man das genaue Gegenteil, einen Kreis, der diese Dreiecksform dann völlig auflöst. So schaffe ich durch die Disharmonie eine andere Harmonie.

Verlässt du den auch die 2. Dimension?

Ja, ich habe auch schon Plastiken gemacht oder Rauminstallationen über Ecken und den Boden des Ausstellungsraum laufen lassen, auch über Fenster, sodass durch den Schattenwurf und Spiegelungen weitere Bildebenen im Nichtraum/Lichtraum entstehen.

Warum arbeitest du eigentlich nicht auf Leinwand?

Meine Bilder entstehen entweder auf Kartonage oder direkt auf der Wand. Die vorgegebene Struktur einer Leinwand ist für einige meiner Materialien nicht geeignet, beispielsweise für Buntstift. Außerdem brauch ich das direkte Arbeiten ohne erst einen Malgrund vorbereiten zu müssen.

Thema StreetArt. Beteiligst du dich selbst auch an solcher Aktionskunst?

Ich liebe genau das an Berlin, die Omnipräsenz von Graffiti und anderen illegalen kreativen Ausdrucksformen. Ich beschränke mich allerdings darauf den White Cube oder andere Innenräume aufzubrechen, mit der rechtwinkligen Architektur zu spielen und von aufgeregten Netzstrukturen überwuchern zu lassen.

www.noralenameyer.com

Interview Benny Gruber

Ich war hier…

Ida Westheuser, eine Berlinerin mit einem künstlerischen Traum der Verewigung. Ihre Zeichnungen sind Schnappschüsse des Rausches, ihre Fotografien zeigen die oft verborgengebliebenen Ecken des Lebens. Eine Querdenkerin mit einer Vision. „Wer war hier, was wurde erlebt und wie sah es aus?“ sind Fragen, die die junge Fotografin und Illustratorin zum Projekt „Ich war hier!“ inspirierten.

Dein aktuelles Projekt heißt „ich war hier“. Erklär uns, worum es hierbei geht!

Der Name lässt den Bezug erkennen: Jeder kennt die Kritzeleien auf Partytoiletten oder Parkbänken. Mich interessiert die Botschaft und woher dieser Drang kommt sich zu verewigen, der sich ja schon in den Höhlenmalerei zeigte.

„Ich war hier“ schafft eine moderne Plattform für diese Fragen. Interessant ist, dass jeder Mensch seine Umwelt ganz anders wahrnimmt. Abhängig von seiner Lebensweise, seinem Alter und seinen Erfahrungen kommen die unterschiedlichsten Geschichten über ein und den selben Ort zusammen. „ich war hier“ schafft einen digitalen, zeitversetzten Dialog zwischen den Kulturen, Gererationen und Szenen.

Hast du es schon herausgefunden?

Hierfür wird es die „Ich war hier“- Spots geben. Sie bringen die unterschiedlichen Blickwinkel der Menschen durch eine Art großes Gästebuch zusammen. Man kann an diese Spots herantreten und eine dieser Postkarten ausfüllen. Ich habe das Format der Postkarte gewählt, da sie in ihrem Wesen nichts aussagt, als: „Ich war hier.“

Wieviele dieser Stationen soll es geben?

Das steht noch nicht fest. Berlin ist Beispielstadt. Je mehr Städte mitmachen, desto interessanter wird das Ganze!

Siehst du deine Arbeit als künstlerisches Projekt?

Künstlerisch in der Hinsicht, dass ich dazu anrege, dass jeder sich individuell verewigt. Es geht nicht um irgendwelche sächlichen Information, sondern um das reine individuelle Gefühl.

Wo sind denn die High-Traffic Punkte, an denen du solche Stationen aufstellen würdest?

Das können öffentliche Plätze, Parks oder Bars sein. Der Görli ist auf jeden Fall so ein Punkt, wir verbinden mit diesem Ort nur Spaß. Aber andere Generationen denken dabei an den großen Bunker, der dort war und der einen mit lebensnotwendigen Dingen versorgt hat.

Ich kenne dieses „ich war hier“ als kurzes snippet ohne viel Aussagekraft.

Ja. Genau das sollen die Postkarten ändern. Dort ist genug Platz und die Leute werden aufgefordert, etwas ausführlicher über den Ort und sich selbst zu berichten.

Was war dein schönstes „ich war hier“ Ereignis?

In Indien habe ich in einem Restaurant ein ganz zerfleddertes, altes Gästebuch gefunden. Leute aus der ganzen Welt haben ihre unterschiedlichen Reiseerfahrungen hereingeschrieben. Das war sehr interessant. Der hat das Buch seit 40 Jahren und ich saß ewig da und hab es mir angeschaut.

Danke, viel Glück

Von Gestern

 Die Zeit existiert nur um zu verhindern, dass alles auf einmal passiert.

Meist hatte der alte Herr mit dem wirren Haar Recht. Die letzte Modedekade jedoch entzieht sich seinem Kommentar. Die Nullerjahre waren Zeitlos, denn alles passierte auf einmal. Kaum ein Jahrzehnt, das so viele Vergangene fasste. Sich seiner Trends und Stilmittel bediente, sie recycelte, modulierte und in die Moderne spie. Nur etwas glatter, neuer − besser? Das, wie auch alles sonst die letzten zehn Jahre, ist eine Frage des persönlichen Gusto. Denn natürlich gab es Trends. Unfassbare Massen von Trends. So viele Trends, dass man schon fast von einer Befreiung des Trends durch die Trendvielfalt sprechen könnte. Es ist komplex, die Nullerjahre modisch definieren zu wollen. Ein Kleiderschrank voller spaßiger Kostümchen − heute bin ich Garbo, morgen bin ich Techno. Deshalb, hier nur ein paar Schulterblicke:

Amerika, Anfang des Jahrtausends, besser L.A. Mit den Babes und Dudes fing alles an. Bling Bling und Britney Spears, die Erinnerungen rascheln billig. Wahrlich eine Bewegung, die es so noch nie gab. Pink und Gold und Strass; Tangas und Bäuche und Piercings in Bäuchen. Dicke Labels überall. Entweder man nimmt all das zusammen mit den eigenen Zahnspangenfotos und etwas Selbstironie hin, oder ergibt sich in Scham. Fakt ist, die Mode wird weiter demokratisiert. Es sind nicht mehr nur eine Handvoll schwuler Männer in Paris und Mailand, die bestimmen was getragen wird − Popstars sind die neuen Branchengrößen und wir wählen sie mit unseren Plattenkäufen. Quasi selber Schuld.

Ein bisschen Atmungsaktiver und gut für unseren Geldbeutel: Boho, Vintage, Sienna Miller, Kate Moss. Mit diesen vier Zauberworten kannst du ALLES auf eBay verkaufen. Schwingende Blümchenkleider, Slouch-Stiefel und Jesuslatschen. Pastellfarben, Spitzenborten und Festivals. Mixtapes tauschen, Roadtrips und Grasflecken machen und aus versehen im Park schlafen. Jeden Sommer kommt alles wieder hoch.

Jedes Hippiemädchen will einen Rockstar-Freund haben. Also ziehen sich die Männer wieder enge Hosen an. Echt enge Hosen. Und Lederjacken. Und spitze Schuhe, Herrenschuhe. Das hätten Sie selber vor 2 Jahren auch noch nicht für möglich gehalten. Aber dieses Britpop-Dandy-Ding funktioniert auch ganz gut bei Arbeitgebern und Omas, und Mädels halt. Alle Beteiligten sind zufrieden. Nur die Männer vielleicht nicht so, die sind jetzt auf Diät.

Selten hat ein Jahrzehnt ein anderes so geliebt, wie die Nullerjahre die Achziger geliebt haben. American Apparel ist Titten auf Toast, alles andere ist Vollplastik und Neon. Nu’Rave verleitet dazu von allem ein bisschen zu viel zu machen, vor allem aber zu wenig zu schlafen. Die Farbe Lila, schwarzes Leder, Pailletten und Schulterpolster und alles alles strecht. Balmain und Marc Jacobs sind fleißige Reformer und man muss gestehen, ganz so schlimm wie vor 30 Jahren sieht das gar nicht mehr aus. So richtig geil, aber eigentlich auch nicht.

Wie auch diese ganze Nerdnummer. Es geht um Mut zur Hässlichkeit. Wer die krasseste Hornbrille und das deformierteste Katzensweatshirt hat gewinnt. Zöpfe finden jetzt prinzipiell oben oder seitlich am Kopf und in Knubbeln statt. Ansonsten geht alles. Mode-Anarchie! Der Flohmarkt ist jetzt nicht mehr nur der billigste, sondern vor allem der einzige Weg zum authentischen Outfit. Der Sartorialist als moderner Mode-Anthropologe.

Text Nathini van der Meer

Illustrationen Corinna Dehn

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Posted: Januar 23rd, 2011
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Julian Rosefeldt – living in Oblivion

Julian Rosefeldts Ausstellung “Living in Oblivion” zeigt drei Werke. Die zwei frühen Arbeiten “Hidden City” (1994/2010), “Die unbekannten Kathedralen” (1995), die in Zusammenarbeit mit Piero Steinle entstanden und eine überarbeitet Fassung von “The Shift”(2008), die als Prolog zu einer Thomas Ostermeier Inszenierung an der Berliner Schaubühne konzipiert war.

Die Schnittmenge der Arbeiten ist Julian Rosefeldts Interesse an funktionslosen, vergessenen Räumen. “Hidden City”, die wie “Die unbekannten Kathedralen” direkt nach seinem Architekturstudium entstand ,setzt sich mit fehlender geschichtlicher Verarbeitung bzw. Verdrängung im Kontrast zum Außenbild seiner Heimatstadt München auseinander und zeigt die unberührten Katakomben ehmaliger NSDAP-Neubauten. In “Die unbekannten Kathedralen” beschäftigt er sich ebenfalls mit großen, verborgenen Räumen und einem Beispiel von Raumnutzung das in unserer immer ökonomischer denkenden Gesellschaft obsolet geworden ist.

Nachfolgend Julian Rosefeldt im Gespräch mit Guido Fassbender und Heinz Stahlhut.

HS: Was war die Motivation, diese beiden ganz frühen Werke zusammen mit einer aktuellen Arbeit zu zeigen?

JR: Auch in der 4-kanaligen Film-Installation The Shift (2008) beschäftigte mich das Thema der Leerräume und der vergessenen und verdrängten Orte wieder. In The Shift sieht man eine Nachtwächterfigur, wieder eine Art Zerberus, einsam durch die verschiedensten Industriewelten irren. Der gleiche Darsteller spielt vier verschiedene Rollen, letztlich Varianten der gleichen Figur. Alle vier Personen arbeiten in einer Nachtschicht. Auf einer der vier entsprechenden Projektionsflächen sieht man einen Wissen- schaftler in einem Reinraum-Anzug. Auf einer anderen Leinwand ist es ein Pförtner, der typische Security-Mann, der nachts die Runde dreht. Auf wieder einer anderen sieht man einen Kanalarbeiter durch ein Tunnelsystem irren, während auf dem vierten Screen schließlich der Prototyp eines Hausmeisters im grauen Kittel auf Patrouille ist. Die Figur wandelt durch die verschiedensten hoch technisierten Innenräume, die aber nicht alle aus unserer Zeit stammen, sondern zum Teil schon fast 100 Jahre alt sind – eine Verschränkung zwischen Science-Fic- tion und einer Welt voller veralteter Technik, die in ihrer Ästhetik vielleicht ein wenig an Terry Gilliams Brazil erinnert.

HS: Darf ich da ganz kurz einhaken? Du sagst, er irre, aber sein Tun hat ja eher etwas Zielstrebiges. Er vollzieht eigentlich einen Ritus, der ihm selbst ganz geläufig ist, aber für uns keine Bedeutung hat.

JR: Genau. Dieser Mensch ist ganz alleine und im Grunde genommen ort- und zeitlos. Ich habe also gezielt nach Orten gesucht, die wie Die unbekannten Kathedralen – und da wäre vielleicht eine Verbindung zwischen den Arbeiten zu sehen – nicht lokalisierbar sind und die man auch in ihrer Funktion nicht so leicht erkennt. Für mich ist er eigentlich eine Art post-postmoderner Mensch, also ein Mensch, der ein System „kommunizierender Röhren“, um mit André Breton zu sprechen, ohne irgendeine Art von Sinnhaftigkeit durchläuft. Er befindet sich in einem System, das sich komplett verselbständigt hat und ihn schon längst nicht mehr braucht. Das ist für mich der Bezug zur Gegenwart, in der die Technik sich längst von uns abgekoppelt hat und in ihrer Gesamtkomplexität von einem einzelnen Menschen überhaupt nicht mehr verstanden werden kann, sondern höchstens noch von einer Heerschar miteinander kommunizierender Spe- zialisten.

Deshalb gefällt mir die Surrealisten- Metapher von den „kommunizierenden Röhren“, auch wenn Breton damit eher ein Bild für die Verbindung zwischen Tiefenbewusstsein und Wachzustand meinte. Dieses Röhrensystem findet eine Entsprechung in globalen Netzwerken wie wir sie im Internet finden, es ist also eine Art Krebsgeschwür, das alles durchdringt und umspinnt, ein feinmaschiges, hermetisches Netz – deswegen auch immer wieder dieses Tunnelmotiv in The Shift. Es war mir wichtig, dass der Protagonist nicht nur durch große Hallen, sondern vor allem durch eine Art gigantisches Netzwerk läuft. Man kann es vielleicht so sagen: In Die un- bekannten Kathedralen und in Stadt im Verborgenen geht es unmittelbar um die Verdrängung von immer noch gegenwärtiger Geschichte, also um die Frage: Wie erlebe ich die Stadt, in der ich lebe, kenne ich sie eigentlich, durchdringe ich sie und begegne ich ihr wissend oder irre ich ahnungslos in ihr herum und lasse mich von ihr blenden?

Die Arbeit The Shift geht einen Schritt darüber hinaus, weil sie in die Zukunft blickt und die Frage aufwirft, was ein geschichtsloser Mensch tut und will, der sich nunmehr in einer von der Welt abgekoppelten, autarken Parallelwelt bewegt. Ich gehöre ja selbst einer Generation an, die diesen Wechsel ins so genannte digitale Zeitalter, das uns gleichzeitig so vieles gibt und so vieles weggenommen hat, mitvollzogen hat. Dieser Wandel beschäftigt mich.

GF: Ich würde gern noch einmal auf das Ende der einzelnen Sequenzen von The Shift zurückkommen. Es gibt in Deinem Film dieses unendliche Röhrensystem, durch das der Protagonist läuft. Aber am Ende erscheint dann ein Licht, auf das er zuläuft, in das er hineingeht, und plötzlich befindet er sich außerhalb des Röhrensystems, in einer Art Eiswüste, die etwas sehr Unwirkliches hat. Stellt diese Szene eine Sehnsucht der Figur dar oder steht sie für den Versuch herauszufinden, was passiert, wenn man das System verlässt? Was ist außerhalb dieses Röhrensystems und gibt es überhaupt eine Welt da draußen? Was bedeutet dieses Licht für Dich?

JR: Es ist sicherlich nicht meine eigene romantische Vision, sondern, wenn überhaupt, die Vision dieses eingesperrten Zerberus. Ich sehe in diesem Ende, das ja doch nur wieder im Loop an den Anfang zurückführt, einen Akt der Befreiung und Verklärung. Dieser Moment, in dem alle vier Figuren gleichzeitig in dieses riesige Auge treten, hat ja auch etwas Religiöses. Man muss es nicht wissen, aber das ist einer der Detektoren im CERN, der gigantischen Teilchenbeschleuniger-Anlage bei Genf. Dieser Teilchenbeschleuniger ist ja augenblicklich das ultimative Experiment, der nächstmögliche Schritt auf der Suche nach der Antwort auf die Frage nach Sinn und Wesen unserer Existenz – eine Art Fetisch, ein Super-Symbol für eine hoch technisierte Welt, die von uns angebetet und verehrt wird. Da hinein geht er, in dieses ihn eigentlich auslachende, riesige Auge. Die Szene blendet in gleißendes Weiß über. Anschließend sieht man die Figur in dieser etwas sphärischen Welt. Ob das jetzt ein Gletscher ist oder einfach das Nichts oder eine wieder neu zu beschreibende Oberfläche, sei mal dahin gestellt. Letztlich ist diese Welt hinter dem System, aus dem er gerade entkommen zu sein scheint, auch nur wieder eine Welt, aus der es für ihn kein Entrinnen gibt. Die- ser Mensch, bei dessen endloser Nachtschichtpatrouille man eher den Spruch „Der Letzte macht das Licht aus“ assoziiert, verschwindet schließlich im Licht.

HS: Nun ist The Shift ja nicht nur eine Auseinandersetzung mit Alltag und Arbeitsleben, sondern ist durch viele Elemente visueller und inhaltlicher Natur, so beispielsweise die Verselbständigung der Technik, auch ein Bezug auf Kino, und zwar einerseits auf Stanley Kubricks 2001 – A Space Odyssey (1968) und anderseits auf Andrej Tarkowskijs Solaris (1972). Kannst Du beschreiben, was Film und was Kino als Ort, an dem Filme gezeigt werden, für Deine Arbeit bedeuten? Wir haben uns auch gefragt, worin für Dich der Unterschied zwischen dem Kino und Deinen Räumen für das projizierte, bewegte Bild besteht.

JR: Ich habe mich in meinen Arbeiten ja wiederholt mit dem Kino auseinandergesetzt, mit der Erzeugung von Bildern und Mythen bzw. mit dem Blick hinter die Kulissen des Filmemachens und auch mit der Frage, inwieweit diese Kinomythen Einfluss auf unser Alltagsverhalten haben. Im Gegensatz zum Film im Kino, der eine narrative Struktur hat, sind meine Installationen aber eher zyklische Versuchsanordnungen, die untersuchen, wie bestimmte Mechanismen im Kino funktionieren können, wie beispielsweise eben ein Mythos im Film erzeugt wird. Im Laufe der Jahre habe ich dabei einige Kinogenres durchdekliniert: in Lonely Planet (2006) das Bollywood- Kino, in der vorhin erwähnten Trilogy of Failure den Slapstick, in American Night (2009) den Western und in The Shift eben das Science-Fiction-Genre.

Julian Rosefeldt ist Preisträger des „Vattenfall Contemporary 2010“, der im letzten Jahr zusammen mit der Berlinischen Galerie neu konzipiert wurde.

Text Moritz Stellmacher

berlinischegalerie.de

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Last Look with Dave the Chimp


First of all I would like you to introduce yourself.

I’m Dave the chimp. I’m very old. Originally from London, now living here for two years. I’m an artist. I paint, I draw, I make comic books, fanzines, I make installations, I design products, I direct pop videos, sometimes write for magazines, used to have a band. I think if you’re an artist you should do lots of creative things not just stay in one nerd field. For me. I get bored.

But what are you most focused on?

Depends on what day of the week it is. Last week I was focused on my installation for the new backjumps, in Betanien. Now this week I’m focused on making paintings and next week I will be in Holland making a workshop with teenagers at a skate park.

You are also skateboarding. You forgot that on your list.

Oh yes that’s very important. I’m skateboarding since 24 years.

How did you get involved in this graffiti, street art culture? With skateboarding?

Yes with skateboarding I guess. Because when you’re a skateboarder your always out in the street. I started skateboarding in the mid 1980s, so that time there weren’t many skateparks and there wasn’t so much culture around skateboarding, no TV shows and video games and a 100 brands and clothing companys. So it was really a do-it-yourself thing. You had to build your on ramps, find places to skate. You’re exploring all the time and you’re used to climb up the walls, trash the things and doing things you’re not supposed to do. So then paint on walls you climbed over is not such a big difference.

How old where you there?

When I moved back to London I was 21 or 22. So that’s when I moved back. First I was working as a Illustrator and started to paint in the studio and also in the street, just for fun, because I was running a club night with some friends and I painted backdrops for the club. Its nice to make big paintings, but there is no point to make big paintings in the studio when you have no place to keep them and no where to show them, because you have no art shows, so I thought I just go to paint in the street there are lots of empty walls, so you can just paint on those and its really fun to go out at night and sneak around, its like being a skateboarder, you go out look for places to paint.

Did you paint figures?

Yes. It was simple because you could make white fillings and then come back and do the outlines. So I used to make three or four spots in a night, just cruising around. Always Figures, I’m really interested in typography, I make a lot of logos and designs and hand drawntyps, but I’m not so interested in painting graffiti. I mean every graffiti artist paints letters and also i wasn’t using spray cans. I used a kind of Wandfarbe. I guess that was 1998 and there wasn’t this street art thing there, there where just graffiti artists and I think i knew just one or to other people who where doing stuff that wasn’t traditional graffiti. There was an illustrator called Zeeo he used to make this little handmade stickers, with an eraser of gummy and cut them and made stickers and put them up. This was so nice, they were really beautiful. Really small. I just become aware that there were people doing this stuff, I started to see a few stencils as an addition to regular graffiti.

What was the last interesting thing you saw in the streets?

There’s something, I wont even tell you where it is because its so easy to steel. The thing I am most excited about lately is on top of a street sign near here. There is a tiny little figure made from a cork of a bottle of wine, and a few matchsticks and a bet nobody had seen him because he is like 5 centimeters tall, and he is been there for about 2 months and I keep thinking I have to take a photo I have to take a photo. I really like it because I like that I haven’t seen it on blogs. I haven’t seen a press release about that someone put it in the streets. It haven’t got a name written on it. It’s really tiny so it doesn’t shout: „Look at me, look at me, I am desperate for attention”. Its all the things I like about street art. You have to discover it for yourself.

You also make interviews for magazines, so I wanted to ask you, what would you ask yourself, if you would be in my position.

That’s difficult. When does the magazine come out?Does it come out before the 26th of september?

Yes!

I’d ask about my Installation at backjumps, which is running until 26th of september. I made a show for kids and all the paintings are hung low. I made an interactive installation, I made a castle and puppets to play with. Some kids are to scared to go inside. There was one girl who came at the weekend, but she was to scared to go in, so she had to come back the next day, she had to think and built up the courage. There are a couple of monsters outside the castle. I made a wooden shape and painted it to look like a monster and cut a hole where it’s face is and we filmed my face, which we painted black, so now there are just eyes, so its a bit creepy but its really obvious that’s a televisions screen. But its freaking people out, one of the kids took a cardboard and attacked it, its pretty funny.

It’s so nice to make something which can create such a feeling. It’s so nice to make something which can make people scared or overcome fears. It’s really great I never heard of an art installation for children

Interview Moritz Stellmacher

Just / just.ekosystem.org

Focus Artist Dafydd Dil

Irgendwann im letzten Jahr stand er, angekündigt über einen kurzen E-Mail Wechsel, im Büro. Eine sehr saubere Webseite, viel perfekt bearbeitete Studiofotografie, viel knall bunt. Dafydd Dil, ob es sein echter oder sein Künstlername ist wissen wir bis heute nicht, ist Schotte. Bereits mit 16 Jahren stellte er wohl fest, dass Dudelsäcke und Männerröcke nicht sein Ding sind und zog konsequent nach London – wo er auch seinem Studiumsabschluss in Fotografie holte. Wie jeder gute Fotograf hatte auch Dafydd seinen Mentor – Fashion und Celebrity Fotografen Christopher Sims. In 2008 waren ein paar seiner Werke in der AOP Gallery und 2009 in der Parfait Gallery (UK) zu sehen. Zu seinen größten Klienten zählen Marken wie Ray-Ban und die London Fashion Week. Seit 2006 lebt er zwischen Berlin und London. Ende letzten Jahres produzierte er mit eine Strecke mit zwei sehr begabten Nachwuchsmodellen Verena und Laura aus Hamburg (Megamodels Agency). Ein Bild aus der Strecke seht ihr auf dieser Seite – in Farbe und bunt auf unserer neuen, iPad optimierten Webseite.

dafydddil.com

megamodelagency.com

Text Ed