
Liebe Leserschaft,
mich treibt die Frage um, ab wann man eigentlich ein Deutscher ist? Per Gesetz: sobald man einen deutschen Pass besitzt. Das kommt aber für einen per se Staatenlosen wie mich gar nicht erst in Frage. Ich komme aus dem Weltall und irdische Reisepässe werden dort im besten Fall verspottet. Es reicht doch, dass man mir die Rasse am Pelz ablesen kann. Welchen Menschen interessiert es, aus welcher Region meines Heimatplaneten ich stamme. Ihr könnt die Unterschiede der Brust- und Schulterbehaarung ohnehin nicht erkennen.
Die Frage nach der Identität wird mit einem Pass ohnehin nicht beantwortet. Der von Euch dezent betonte Migrationshintergrund relativiert ohnehin jede Staatsangehörigkeit. Willkommen in Deutschland. Deutsch im Herzen ist man also nicht, sobald man hier wohnt, hier zum Bürgeramt geht und hier wählen darf. Das heißt nicht, dass man dadurch zwangsläufig deutsch ist. Nein, erst wenn man es so macht wie die Deutschen, ist man das auch. Wie macht man es aber wie ein Deutscher? Es gibt dafür leider keine brauchbare Anleitung.
Wo ist die Leitkultur hin?
Der Köbes, der seinen Oachkatzlschwoaf am Backfisch reibt dafür uffjehangen wird, weil es laut Sex-Statistik nach 3,1 Tagen wieder mal für 17 Minuten heiß hergehen sollte, ist – sprachlich gesehen – eher eine Reise durch das gesamte Bundesgebiet als eine altersübergreifende Liebesgeschichte. Aber wer kennt sich schon in allen Dialekten der vier Himmelsrichtungen aus? Die Suche geht also weiter. Der Heilige Gral dieser Nachforschung wird mit Wasser gefüllt sein. Deutschland ist immerhin das Land der Wässer: Die Anzahl der Tafel-, Mineral- und Heilwässer sowie Quell- und Sodawässer lässt jeden Touristen erstaunen. Unendliche Definitionen hält die Mineral- und Tafelwasserverordnung dafür bereit. Das ist also deutsch. Ein Wasser müsste ich sein, kein Haarmonster. Dann hätte ich auch sofort eine deutsche Partnerin: die hässliche Einwegpfandflasche aus dünnem Plastik, gegebenenfalls Plaste.
Warum in die Nähe schweifen? Sieh das Deutsche ist so fern.
Deutsche machen Urlaub auf Mallorca. Das ist klar. Auf der Wurststraße Wurst sein. Als Zeichen meiner Verbundenheit zu dem deutschen Volk trage ich also Espandrilles, die Schuhe der Mallorquiner. Ich trage sie dieses Jahr zum ersten Mal, denn ich folge den Trends üblicherweise erst, wenn sie nach dem zweiten Aufwärmen am Abklingen sind. Als Alien halte ich mich grundsätzlich nicht an die aktuellen Moden der Erde. Da könnte ja jeder kommen! Espandrilles waren das erste Mal in den 80ern voll trendy, seit einigen Jahren sind sie dafür hip. Wer was auf sich hält, der trägt Espandrilles.
Aber welche sind die echt-deutschen Espandrilles?
Sind sie ein- oder mehrfarbig, mit angeklebter Vollgummisohle, nur ein bisschen Gummi oder ohne Klebesohle, sodass man direkt auf der Faser läuft, die wahlweise hand- oder maschinengefertigt ist? Soll man sich für 15 bis 25 Euro Espandrilles kaufen oder für 300 Euro von Edelmarken, die damit ein Zeichen des Downgradings statuieren? Darf es vielleicht das Wegwerfprodukt für 5 Euro sein, wie es sie bei Nanu Nana, dem deutschen Nippesschuppen Nummer 1 gibt? Dessen Besitzer hat übrigens aus auf der Ferieninsel Nummer 2, Sylt, den Namen Nanu Nana erfunden, als er dort als Hobbyfotograf die damals Reichen und Schönen ablichtete. Soviel zur Leitkultur. Nur meine Frage beantwortet sie nicht.
Vielleicht ist es die althergebrachte, deutsche Ignoranz, die als Reaktion auf Neues und Unbekanntes reflexartig hervortritt. Reflexe sind immerhin Reaktion, die das Gehirn quasi überspringen. Dunkle Haut und Haare – muss türkisch sein. Fernseher kaputt – muss an den Chinesen liegen. Mauerbau – waren die anderen. Migrationsprobleme – sind die anderen. Behaart Monster – ist ein Penner. Danke.
Mit dieser Ignoranz wird es sich aber nicht weit gehen lassen. Denn dem deutschen Michel werden sich seine „Espandrijo-Latschen“ vom Fuß lösen, sobald ein Platzregen das Gemüt reinigen will. Das ist der Sommer 2011. Espandrilles sind höchst wasserempfindlich. Werden bei eindringlichem Kontakt hart, lösen sich auf und fangen an zu riechen.
Schick, einfach, unbeständig. Das ist mein Ergebnis zur Leitkultur, wo man diese auch immer finden mag. Willkommen in Deutschlands Spätsommer 2011.
Euer Schubacca
Foto Nina Sage, Miron Tenenberg
Posted: Oktober 10th, 2011
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Sehr geehrte Leserschaft,
manchmal muss es eben groß und türkis sein. Groß und türkis – so wie die mütterlichen Augen in meinen Erinnerungen an alte Zeiten. Augen, die Mystik und Zuwendung ausstrahlen. Blendende Augen wie Laser im Farbton zwischen blau und grün.
Da seid Ihr Deutschen aber ohnehin pedantisch. Ich gehe davon aus, dass keiner von Euch weiß, ob meine Mutter nun blaugrüne, grünblaue oder türkisfarbene Augen gehabt hat. Daneben könnten wir noch über Eisgrün, Eisblau, Seegrün, Cyanblau, Aquamarin, Lichtblau und Türkisblau diskutieren. In Italien würde die Augenfarbe wohl “azzurro” genannt und in den ostasiatischen Sprachen gäbe es eine wilde Auswahl anderer Mischverhältnisse. Ich bin jedenfalls schon glücklich über den großen Wortschatz, den ich mir auf deutsch angeeignet habe.
Groß und türkis, so wie Mamas Augen, wirkt auch die Karibik kurz bevor man auf der Erde landet. Riesige Flächen schimmernden Türkis´. Äußerlich gibt es einige Gründe, auf der Erde einen Zwischenstopp einzulegen. Auf Weltraumreise ist die Augenfarbe der Mutter zumindest ein guter Grund hier zu halten. Hach, die Augen der Mutter. Unverwechselbar und auffallend.
Manchmal müssen aber auch Aliens in ihrer weltlichen Umgebung auffallen. Üblicherweise sind wir ja um eine bedächtige Unauffälligkeit bemüht. In einem Land, in dem Äußerlichkeiten immer noch viel zu häufig die persönlichen Chancen bestimmen, gehört das nunmal zum Einmaleins eines sicheren Lebensplans. Nicht umsonst ist im Immigrationsland Deutschland die Integration Außerirdischer nirgends erwähnt. Kein Wunder also, dass sich die meisten meiner Schicksalsgenossen pedantisch verstecken und sich nicht vor die Tür trauen. Anders lief es jedoch mit meinem Kollegen Alf. Auch er wagte den Schritt in die Öffentlichkeit und hatte vor 20 Jahren sogar seine eigene Sitcom im Fernsehen. Dagegen komme ich mir hier mit meiner Schuhkolumne ziemlich mickrig vor.
In einer von Alfs Folgen kämpft mein Bruder im Fell persönlich gegen eine Riesenkakerlake. Ich glaube zwar, dass die Bewohner vom Melmac die Quälgeister verehren, denn immerhin war der Song “Der Himmel war so blau, wie die Augen einer Kakerlake” dort echt lange auf Platz 1 der Hitparade. Ich sage Euch das aus erster Hand, Weltraumempfänger sei Dank. Bei uns aber werden die Dinger jedenfalls genauso gejagt wie hier bei Euch! Jedenfalls sieht das monströse Viech zum Ende der Folge alleine durch seine Größe mindestens so anmutig aus, wie die Pumas Sky Hi +, die ich Euch in dieser Ausgabe vorstelle. Diese futuristischen Basketballschuhe im Retrolook sind eine gelungene Mischung aus 2001: Odyssee im Weltraum und dem Atzenpop-Chic. Also genau das Richtige für vulgäre Fellknäuel wie mich. Aber nicht nur die Größe lässt eine Parallele zu den ekelhaften Insekten zu. Denn wo Mütter mit ihren türkisblauen Augen als Sinnbild für Achtung und Zuwendung stehen, sind blaue Kakerlakenaugen ein Zeichen für eine Eigenschaft, die sie nur noch unausstehlicher macht: blauäugige Kakerlaken können nämlich fliegen!
Ich glaube aber, dass Alf die Flugfunktion bei seinem Tier erspart geblieben ist. Niemand möchte große, türkisfarbene Objekte durch die Luft fliegen sehen. Egal ob es sich dabei um die mannshohen, sechsbeinigen Monster mit ihren starren blauen Augen handelt oder um die Sky Hi +, von denen eher anzunehmen wäre, dass sie ernsthafte Schäden beim Ziel hinterlassen. In der Hinsicht möchte ich noch ein letztes Mal die Schuhe mit den Kakerlaken zusammenkommen lassen. Als diskriminierte Minderheit in Deutschland kenne ich nämlich nur ein Gesetz – das Gesetz der Straße: Nach oben buckeln, nach unten treten. Mit diesen massiven Schuhen sorge ich nämlich durch herzhaftes Zutreten für die Lösung bei akutem Insektenbefall. Das dürft Ihr nur nicht meiner Mutti erzählen.
Euer Schuhbacca
Grafik Vinent Britz

Hier gibts noch mehr schuhbacca Abenteuer:

Verehrte Leserschaft,
es gibt Tage an denen ist alles grau und schlecht. Nichts funktioniert. Der Frühling hat noch nicht einmal begonnen und aus den guten Vorsätzen für das neue Jahr sind bereits schreckliche Niederlagen geworden. Doch 2011 kommt der Ausweg so plötzlich, wie er nahe liegt. Also trau Dich, spuck in die Tatzen und nimm Dir zurück was Deins ist. 2011 gehört den Mutigen!
Der Blick aus dem Fenster in die weite Welt löst bei Euch Menschen wahrscheinlich gute Gefühle aus. Wenn Außerirdische ohne Rückfahrschein aus den Fenstern schauen finden sie es hier schrecklich. Es ist kein Wunder, dass alle anderen Aliens sich auf der Erde entweder verstecken oder unsichtbar machen. Einigen reicht alleine schon der Anblick aus dem Himmel und sie hauen so schnell wieder ab, wie sie es hergefunden haben. Das mit der Einzigartigkeit ist ein überheblicher Irrglaube von Euch, es will hier einfach niemand bleiben! Ich kann die anderen verstehen.
Mein Blick in den Innenhof ist nämlich die reine Depression: Die Wolken hängen tief und dicht über dem Giebel. Der Baum trägt keine Blätter und sieht tot aus und die Scheiben wurden seit dem letzten Sommer nicht mehr geputzt und stumpfen jeglichen Hoffnungsschimmer sofort ab. Am Telefon ist keiner erreichbar und mit denen, die es sind, will ich nicht sprechen. Außerdem streikt der Computer, der Kühlschrank ist leer, die Wohnung ist kalt, mein Fell zottelig verfilzt und meine Bank schickt mir bereits Briefe wegen meines Überzugs nach Hause. Zusätzlich komme ich jetzt schon zu meiner Verabredung zu spät. Eure Erde ist zum Kotzen. Da klingelt es noch an der Tür. Post. Ich habe aber keine Zeit dafür. Also nein. Scheiß drauf. Doch. Ich mache dem Briefträger auf. Es ist der Paketdienst. Neue Schuhe?
Draußen ist Frühling
Der Frühling mit all seiner Kraft der Erneuerung liegt förmlich im Schuhkarton vor mir. Violett ist eigentlich nicht meine Farbe, aber heute ist der Frühling von mir aus Violett. Schon als Kind, als mein Fell noch aus flauschigem Flaum bestand, brachte der Frühling diese Farbe mit sich. Die Lianen unseres Planeten trugen dann dicke, saftige Blüten und tauchten meine Heimat in ein sattes Violett. Auf der Erde sind es die ersten violetten Krokusse, die mich an Zuhause erinnern.
Violett wird fälschlicherweise oft als Lila bezeichnet. Violett und Lila besitzen aber Unterschiede. So gehört Violett zu den Sekundärfarben und gilt als reiner Farbton, ist also ein reiner kurzwelliger Farbreiz. Lila hingegen ist ein Mischton aus Violett und Weiß. Im Deutschkurs für Außerirdische habe ich gelernt, dass Mischfarben aber nicht eigenständig etwas beschreiben können. Es muss dann Lila-Farben heißen. Hingegen ist violett-farben ebenso falsch, weil es einen Zustand beschreibt.
Warum mich aber die Paves im Karo-Canvas-Muster in den Frühling katapultieren haben, weiß ich gar nicht so genau. Vielleicht waren es einfach die richtigen Schuhe im richtigen Moment. Auf dem Weg zu meinem verspäteten Termin kommt der Bus unerwartet pünktlich, ich werde trotz meines Dreadfells von der Seite angelächelt. Auf der Straße scheint die Sonne und unter den blühenden Bäumen sitzen die Menschen dicht an dicht in ihren Cafés. Der Winter ist mittlerweile zur unausstehlichen Belastung geworden. Es ist Zeit zum offensiven Fremdgehen, da er sonst nie von alleine gehen wird. Tu Neues und sprich darüber. Der erste Schritt liegt also bei mir.
Voller Frühlingsgefühle mache ich mich also auf die Suche nach einem Partner. Auf dem Weg zu meinem Golfclub im Südwesten Berlins fällt mir dabei der Wilde Eber im Grunewald ein. Der ist ebenfalls stark behaart und besitzt schreckliche Hauer, die Euch nackten Affen immer so große Angst machen. Wir wären das perfekte Paar. Inmitten von Frühlingsblumen wartet er sicher nur auf mich. Bei ihm angekommen höre ich ihn bereits ein Lied in der Sonne singen: Schwarzbraun ist die Haselnuss und schwarzbraun bin auch ich. Ich fasse es nicht, der Wilde Eber ist ein Nazi! Kein Wunder also, dass er alleine auf der Mittelinsel des Kreisverkehrs abgesetzt wurde. Nichts wie weg. Doch da ist es schon zu spät, er hat mich bemerkt. Mein Brüllen und Schnaufen macht mich aber nur noch attraktiver in seinen Augen und so hilft nur eines: der Golfschläger als Eberwaffe. Lila ist die Haselnuss und lila bin auch ich. Auf Moral und richtige Sprachanwendung wird jetzt geschissen. Lila ist eben die Farbe der Buße.
Euer Schuhbacca


Posted: Mai 19th, 2011
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Verehrte Leserschaft,
was habe ich in der letzten Kolumne bitte geschrieben? „In der kommenden Ausgabe hinterfrage ich die Leuten, welche ihre eigenen Hausschuhe mit auf Besuch zu Freunden nehmen.“ Es tut mir wirklich leid, aber in den Elternhäusern außerirdischer Haarviecher wird gewöhnlich nicht Deutsch gesprochen. Habt also bitte Nachsicht, wenn es mal nicht so will, wie es sollte. Jetzt nochmal richtig und aktuell: In dieser Ausgabe hinterfrage ich die Einstellung der Leute, die ihre Hausschuhe zu Besuch bei anderen mitnehmen. Yeay.
Herzlich willkommen also
in meiner Kolumne. Da Ihr großes Interesse an meinem Leben gezeigt habt und Euch anscheinend die Exo-Sneakeria so anturnt, gibt es jetzt meine Abenteuer in den Monaten ohne Mag auf proud.de zu lesen. Eure monatliche Portion Haare und Schuhe ist somit gesichert!
Gerade weil ich kein deutsches Elternhaus genossen habe, kann ich aus meiner Outsider-Position heraus eine schöne deutsche Eigenart feststellen: zu Besuch bei Bekannten seine eigenen Hausschuhe mitzubringen und diese tatsächlich zu tragen. Glücklich ist, wer die DDR seine Heimat nennen konnte, denn dort gab es sogar Besucherpantoffeln, falls man schlampigerweise seine eigenen vergessen hatte. Diese wurden gerne in einer XXL-Filzpantoffel, die an der Wand im Eingangsbereich hing, aufbewahrt. Da es ohnehin nur ein Modell für das gesamte Volk gab, fühlten sich somit alle gleich behaglich, sobald sie die Filzlatschen in fremden Korridoren sahen. So einfach und schön war das damals. Im Westen musste man hingegen Omas Schlappen mit Korkabsatz anziehen. Freundlich ausgedrückt wären das Peeptoes, nur dass fast alle Zehen vorne herausguckten. Damit schlurfte man durch die Wohnung und durfte sich wie Oma fühlen.
Zum Glück haben sich die Zeiten geändert.
Dennoch sind gerade im Winter Hausschuhe etwas Feines; puschig und praktisch, bequem und bekleidend weisen sie die Träger als Menschen mit eigener Wertschätzung aus. Schön warm vor dem Kamin sitzen, gelegentlich in den Keller gehen um Holz hoch zu holen. Dabei die ganze Zeit warme Füße behalten, obwohl es draußen bei 20 Grad unter dem Gefrierpunkt klirrend kalt ist. Hausschuhe zu tragen, bedeutet sich selbst zu lieben!
Zu einem anderen Zweck kann dieses Paar Asics gar nicht produziert worden sein. Ich meine: Canvas als Obermaterial für eine Winterkollektion zu benutzen, deutet entweder dezent auf unüberwindbaren Optimismus hin oder auf eine Zielkundschaft in Ländern nahe dem Äquator. Stellt Euch vor, ich hätte die zu dem grauen Berliner Straßenslush angezogen, den es nun im zweiten Winter in Folge gab. Dann hätte es wohl eher zwei Kollektionen in einer Wintersaison geben müssen!
Nein, bei den Aarons handelt es sich eindeutig um Hausschuhe für die kalten Wintermonate zwischen dem zweiten Weihnachtsfeiertag und dem verpennten Frühlingsbeginn. Ihr könnt Euch aber sicher sein, dass es die schönsten Hausschuhe sind: Keine Lammfellfütterung, keine Ökomauken, keine infantile Stoppersohle, wie sie Kindersocken besitzen, die es natürlich auch in Größen für ambitionierte Eltern geben muss. Außerdem kein Filz und kein Korkabsatz, falls Euch der Schreck aus der Kindheit noch im Nacken sitzt. Nein, diese grauen Sneaker sind ein Stück moderne Winterkultur für Leute, die lieber losen Krausminze-Aufguss vom Fachhändler mit gutem Thymianhonig trinken als den billigen Ceylon-Assam-Beuteltee mit länger haltbarer Frischmilch und teurem Single-Malt-Whiskey. Lieber durchgehend unauffällig mit weniger Pomp und mehr Bewusstsein als miteinander vermischte Extreme, die einen in Verruf bringen.
Aber was soll der philosophische Scheiß überhaupt?
Fellmonster haben von Natur aus nichts gegen den Winter, geben also ein feuchtes Gewöll auf Eiseskälte. Wir belächeln Euch nackte Affen einfach aufgrund des halbjährigen Geheules über die Temperaturen. Hört auf Euch zu rasieren, stoppt das Epilieren, verpönt Enthaarungscremes und Brazilian Waxing und genießt endlich den Winter!
Jedoch haben wir ebenfalls Schwachstellen: eine davon befindet sich auf der Unterseite unserer Tatzen, diese ist nämlich nicht behaart. Deshalb tragen wir auch in den R-Monaten immer Hausschuhe. Alle, immer!
Ratet mal warum wir so glücklich über den Niedergang der DDR sind! Genau, es liegt an den plötzlich ungeliebten Riesenfilzpantoffeln aus Erichs Fluren. Wer denkt, dass diese unbemerkt abgewickelt worden sind, irrt. Wir mussten uns zwar mit westdeutschen Ausbau-Schlossbesitzern um diese streiten, aber was ist schon ein zerkratztes Fischgrätparkett gegen eine Horde schlechtgelaunter, frierender Pelzungetüme? Hoffen wir also auf den härtesten Winter Eurer Erdengeschichte und Fußkälte über’s deutsche Vaterland.
Und nicht vergessen: proud.de checken!
Euer Schuhbacca
Posted: März 26th, 2011
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Verehrte Leserschaft,
mit Freude sehne ich den Moment herbei, diese Kolumne offiziell vorstellen zu dürfen. Es ist nun soweit, das neue Jahr bringt neue Botschaft: Regelmäßig wird jetzt dieser Schuh-Report in der proud erscheinen. Hier werdet Ihr von meinen Abenteuern und meinem Alltag erfahren und das Lebensgefühl Sneakeria miterleben. Ich heiße euch herzlich willkommen und freue mich auf das Jahr 2011! Anfangen tut es mit einer
Ausnahme von der Regel
Shoebacca’s Trip Jetzt neu im proud magazine! Sneakers aus der Perspektive des bekannten Weltraum-Aliens. Aktuelle Kollektion, aktuelle Meinung, die Sensation in Deutschland. Jede Ausgabe neu. Sei proud, wir kümmern uns! Preisfrei zum Mitnehmen.
Zum Auftakt krame ich jedoch ein Juwel unter den Sneakern heraus, kein aktuelles Modell, dafür in limitierter Auflage. Die nächsten Male stelle ich brav die schönsten Schuhe zum Nachkaufen vor, dieses Mal das schönste Paar zum Nachschauen. Im ersten Schuh-Report möchte ich nämlich meinem Mode-Chef eine Freude machen. Haniball Saliba hat einen Fetisch, den ich auf diesem Weg verrate. Entschuldigung, Haniball! Es handelt sich dabei um seinen Reebok-Fetisch, den er im Privaten pflegt. So sehr er sich für alle Arten von Schuhen begeistern kann, Leidenschaft empfindet und Gefühle entwickelt – seine Lust hängt an den Reeboks.
Also bereite ich ihm Lust
Lust, Leidenschaft, Leben: dafür steht die Farbe Rot. Es müssen rote Schuhe für Haniball sein. Unter Männern darf es auch Pink sein, ein kräftiges grelles Pink! Schon der rote Planet wurde wegen seiner Farbgebung dem starken Kriegsgott Mars zugeordnet. Eine Farbe unter Männern – Aggression,
Adrenalin, Abenteuer. Ob der brennende Busch oder die heiligen Märtyrer, Rotkäppchen, der rote Teppich und der rote Teufel, von jeher steht diese Farbe an der Spitze der großen Gefühle. Purpurschnecken gaben ihr Leben, nur um den Durst nach dieser Farbe zu stillen. Ihre Drüsenkörper wurden aus der Atemhöhle entfernt und zerquetscht, so dass der Schleim austrat. Dieser wurde gekocht und getrocknet, was übrigens widerwärtig gestunken haben soll. Das daraus gewonnene Pulver war die Grundlage des echten Purpurs. 24.000 Schnecken für drei Gramm Farbe. Unter Männern kann das Beste gerade gut genug sein. Keine Mittelmäßigkeit, Rot ist Hardcore, Rot war die Lieblingsfarbe von Karl Marx. Rot ist Opium des Volkes. Pink ist Opium für Haniball.
Amen. Manchmal muss ich einfach vom Leder ziehen, da ich nämlich als großes Fellmonster nicht viele Gelegenheiten habe, euch leuchtende Techno-Sneaker vorzustellen. Oft stehe ich vor den Regalen voll Unmengen bunter, verspielter Sneaker – in Frauengrößen. Dort gibt es regenbogengestreifte High Tops, Rennschuhe im Retrolook oder Ghetto-Klassiker in quietschbunt. Frauen können sich die aufsehenerregendsten Schuhe in 08/15-Schuhketten kaufen. Ich benötige die Schuhgröße 47, bei schlankem Grad – das ist selten. Unter dieser Voraussetzung vermindert sich die Auswahl auf einen Bruchteil des gesamten Angebots. Dieses ist dafür gerne in protzigem Schwarz, elegantem Braun oder zeitlosem Anthrazit gehalten; Funktionsschuhe im Funktionsdesign fallen bei mir grundsätzlich heraus.
Furry Fantastic
Ich stehe also in einem Laden für Restposten einer schicken Boutique in Ku’damm-Nähe. Alf musste sich noch in einer Garage verstecken, ich chille hingegen in West-Berlin. Ein, zwei Blicke in die Regale und ich kann meinem Blick kaum glauben: Unter den Reebok Reverse Jam in Laser Pink prangt ein Karton mit der Zahl 13 – meine Größe. Oh mein G*tt, ich bin aus dem Häuschen! Dabei wollte ich doch nur ein Paar Winterschuhe kaufen. Mein Budget sieht mies aus. Angesichts dieses Fundes muss mir das aber egal sein. Es muss! Kaum anprobiert, schon hüpfe ich durch den Laden. Tuckiger geht es nicht. Das sind die schwulsten Schuhe, die ich je gesehen, ja, je getragen habe. Der Verkäufer hält sich dezent zurück und beantwortet das Spektakel mit einem höflich distanzierten Lächeln. Mit diesen Schuhen bin ich der König, auf dem Motzstraßenfest sowie bei der Atzen-Techno-Party. Zickenkriege werden entstehen, wer neben mir in der Gate- Sauna oder auf der Girly-Pyjamaparty sitzen darf. Leider bin ich für beide Freizeitgestaltungen viel zu behaart.
Haniball und ich verbringen einen gemütlichen Tag miteinander. Völlig entspannt genießen wir die an uns vorbeiziehenden Stunden. Ein Tag voll laissez-faire, ease und dolce vita. Wir sind. Die Köpfe sind leer, die Gedanken fliegen leicht durch den Raum und unsere Blicke schweifen ins Leere. Das findet ein schnelles Ende, als ich Haniball meinen neuen Fund präsentiere. In seine Augen blitzt der unbeschreibliche Funke. Dann glotzt mir Haniball unverhohlen auf die Schuhe. Es scheint, als wäre für einen kurzen Augenblick die Welt um ihn herum verschwunden. Sein Schaatz. Reeboks sind eben besser als Pelztiere.
Seitdem verbindet Haniball und mich etwas ganz Besonderes. Ich freue mich vor allem ihm diese Kolumne vorzustellen. Liebe Leserschaft, lieber Haniball, ich wünsche euch viel Spaß auf Shoebacca’s Trip.
In der kommenden Ausgabe hinterfrage ich die Leute, welche ihre eigenen Hausschuhe mit auf Besuch zu Freunden nehmen. Mit dabei der Asics Aaron Mid Top Canvas und
Euer Schuhbacca
Posted: Februar 1st, 2011
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