Facebook says_
„THANK YOU FOR THE MUSIC. “

#14 Last Word von Sophie Senoner

Seit ich diese Kolumne schreiben, wurden Exfreunde meine Roch’schensen Hämorieden, und da wir Nachaltigkeit und restlose Verwertung der Beziehung gross schreiben, fliege ich nun zu meinem letzten nach Indien.. Ich sitze in der Ubahn und zwei Mädchen neben mir sagen: schöne, dumme Menschen sind wie Schuhe von Tack, die sehen hübsch aus, sind aber untragbar, echte Jungs haben Bart, tolle Männer tragen Kotletten. Wir Mädchen versuchen nur so gut in Blowjobs zu sein, damit der Junge so schnell wie moeglich kommt, denn ab 1,28 minuten wird es einfach langweilig. Bin ich froh, all diese kaputten Menschen und die Wichser von BVG Kontroleuren, die kleine Mädchen ohne Fahrschein aufschreiben, nicht mehr zu sehen und denke, was bringt das Leben, wenn man hässlich ist.

Zwei Monate lang kein Licht der verdammten Ökoglühbirnen, und ich weiss nicht, warum es in Deutschland keinen Riot, Bürgerbewegung, e.V. gegeben hat, wo wir doch sonst immer über alles meckern, aber ich habe in meiner Wohung aus Frust alle Lampen angelassen. Es war schon wieder so, dass ich nach 30 Tagen dachte, ich hätte absolut nichts mehr zum anziehen und dann gab es auch noch kaum bekannte Leute, die mich einfach privat auf meinem Festnetz zu Hause angerufen haben. Egal, ich habe den Winter überlebt. Und die ganze Sensationsgeilheit und Aufmerksamtkeits-gier.

Sogar wenn sich hunderte junge Menschen zu einer Schneeballschlacht bei frischer Luft treffen und Spass haben, brauchen wir auch noch den rbb und die Zeit, die darüber berichten und Fangruppen und zwei Teams, die gegeneinander kämpfen. Ich werde gleich mal in Indien ein T-Shirt drucken mit: my balls are bigger than urs. Mittags. Es kann doch nicht sein, dass die Bahn keine gute Internetverbindung hat, oder dass die erste Klasse leer bleiben muss, wenn die zweite überfüllt ist. Und ich ritze um das A in BAHN den Anarchiekreis.

Eigentlich gab es durch die Einführung des Internets eine Inflation der geschriebenen Worte. All die Mails, die ich kriege, ignoriere ich und nur dadurch haben Briefe an Bedeutung gewonnen und ich fühle ich mich von den den gelben Smileys bei google absolut nicht verstanden. Und weil ich völlig durch meinen zweiten Anschlussflug verpasst habe, sitze ich nun erste Klasse neben einem Russen, der ein ganz berühmte iphone-app erfunden hat und wir trinken ein Tigerbier nach dem anderen und ich schwöre, ich werde gesellschaftlich gezwungen jeden Tag Alkohol zu trinken, und mir fällt ein, dass ich eigentlich kein Bier mag, aber der Geruch erinnert mich an die Küsse mit Jungs von früher.

Wir finden es schon absurd, dass das Prinzip Sauna in unser Gesellschaft klappt und dass wir alle nackt und dickbäuchig den Schweiss der anderen riechen. Warum gehen wir dann nicht auch nackt baden? Er verrät mir, nur selbstbewusste Männer können es sich leisten mit dickeren Frauen auszugehen. weil sie sich nicht mehr über sie definieren müssen und ich erkläre ihm, kaum ziehen Junge und Mädchen zusammen, wird er dick und sie sieht ihre Singlefreundinnen nicht mehr… und wir sind uns beide einig Finischer Meerbusen ist wohl der schönstklingende Ort der Welt. Ich versuche ein bisschen Name Droping, doch alle Namen, die er sagt, kenne ich nur aus den Wirtschaftsseiten des Spiegels und neben uns sitzen alte, deutsche Männer, Jahrgang 1920, die seit den Sechzigern in Indien leben und wir werfen Tigerbierdeckel auf sie und ich brülle, sie sind genauso unangenehm wie Leute die auf 917 Fotos verlinkt sind bei facebook.

Zum Schluss sehe ich noch zwei völlig zugekokste, tuntige Stewardessen beim Sex aufm Bordklo, und thanks god, dass dieses Klichee noch wirklich ist. Dann bin ich am Strand und sehe den schönsten Sonnenaufgang der Welt und ich werde ein Foto machen, es nachbearbeiten und es mit meinen 324 Freunden teilen. und ich vermisse meine Mädchen und Freundschaften sind wie Beziehungen. Eine Freundin, meine Freundin ist nur ein Buchstabe Unterschied. Und ich bin so glücklich, ich könnte Twittern vor Freude.

Sophie Senoner