Facebook says_
„THANK YOU FOR THE MUSIC. “

#16 Last Word von Sophie Senoner

Alle sind happy und horny; die Hormone wallen. So würden wir mit Exfreunden nie verfahren, aber kaum scheint in Berlin die Sonne, verzeihen wir ihr den Winter, wo sie uns vergaß und dachten, sie käme nicht mehr und sind voller Liebe und Vertrauen in jedermann. Ich denke ungefähr 24 Stunden Baby Baby balla balla, in deiner Hose sitzt ein Knaller, Wasserflaschen sollte definitiv das Accessoire des Sommers sein. (Accessoire spricht man wie Aksezswahr aus, und nicht ein mit schwachem S.) und viel- leicht nennen wir Brandenburg in Ostelbien um.

Wir sind 23, wir sind pro Anti-Age, wir kriegen bei Reichelt keinen Wein ohne Ausweis, aber wenn wir liegen, rutschen uns die Titten in die Achselhöhlen – wir tragen deswegen Bauchweg-Hippster und Taillen-Miederhose, exklusiv eingearbeitete Konturbänder an Po, Hüfte, Taille und Bauch und nennen das ganze Lingerie-Look. Vielleicht auch jetzt einfach aufhören Fenchel-Anis-Kümmeltee zu trinken und sich von Spießigkeit befreien. Aus Facebook rausgehen. Merken, was für eine Reizüberflutung und Zumutung und Überfluss an Informationen es war, wie ein Fernseher, der 24 Stunden lief und das ohne Orwells Neusprech, der die Anzahl der Gedanken verringert. Und lernen, wieder den Zufall zu bemerken, an’s Schicksal zu glauben und nachts in Bars die schönsten Männer kennen zu lernen, ohne vorher schon gewusst zu haben, wo sie hingehen.

Es gilt: Je glücklicher, desto weniger auf Facebook, je selbstzufriedener, desto weniger gibt man Acht auf seine Kleidung. Und in Berlin herrscht Moral Hazard (die Belohnung von Verantwortungslosigkeit) und die Affäre hat das Wochenende nicht überlebt. Lieber mentally challenged (dumm) als horizontally challenged (dick) und wir feiern an Orten, die so entspannen sollten wie Bachblüten. Dank natürlicher Selektion sind nur die Besten rein gekommen, aber noch in Trance bleiben, wie hochwachsam, denn die Kameras blitzen im Takt des Basses und jeder versucht das beste Berlinbild zu schießen.

Und wir begrüßen noch einmal alle ZuZos (Zugezogene), die mit 24 anderen seit ner halben Stunde vor dem Hühnerhaus am Görli stehen, weil sie im lonely planet gelesen haben, dass das der place to be ist. Und zwei fesche und poshe Österreicher geben mir den Tipp, was man echt in Berlin erlebt haben muss, ist das Frühstück in Berlin. Bayer, behaltet euren Nationalstolz und bleibt in München! Und ich werde ein bildungsfernes Kind, weil ich angefangen habe zu studieren und alle Themen nur noch anreiße, nie Zeit habe etwas zu vertiefen, aber alles schonmal gehört habe und immer mitreden kann. Doch es ist egal, weil mein Opa ist zufrieden, dass das Kind was vernünftiges macht, die Eltern, dass die Tochter nicht mehr zu Hause wohnt, die Tochter selbst wegen Bafög und potentiellen Ehemännern, die Uniprofs wegen dem Beamtenstatus und Deutschland weil es mit Bildung in die Zukunft investiert.

Nur ab und zu denke ich, nie hat man einen schwarzen Ledermantel, wenn man ihn braucht… Die Welt wird aufgeteilt in 12 Minuten Turbobräuner oder 2 Stunden in der Sonne Lieger. Die arbeitsfernen Menschen (Assis) haben Zeit im Park zu liegen, und wir tgl. 16 Stunden 1 Euro-Arbeiter aus der creative industrie komprimieren und kompensieren alles im Solarium. Das ganze hier ist nicht PC (Political correct), dafür aber PM (post modern) und omg (oh meine Güte).

Warum denken eigentlich alle Frisöre sie müssten schwul sein? Die Gesellschaft ist doch aufgeklärt und open minded genug, um sie als heterosexuell zu akzeptieren. Automaten-Kaffee sollte nur 50 Cent kosten.

Sophie Senoner