proud magazine - Party, Reportagen, Stories und Lebensgefühl in Berlin

Listen to… Ben Westbeech

Artist: Ben Westbeech Title: There’s More To Life Than This Label: Strictly Rhythm Zeit im Überfluss, der Trugschluss einer verträumten Jugend und immer wieder diese Musik, den Gedankenfluss entfachend, die Gefühle von ihren Zwängen befreiend. Musik als Prozess, der Zeit braucht, um den Erwartungen gerecht zu werden. Fünf Jahre hat der Londoner Sänger, Produzent und [...]

Artist: Ben Westbeech
Title: There’s More To Life Than This
Label: Strictly Rhythm

Zeit im Überfluss, der Trugschluss einer verträumten Jugend und immer wieder diese Musik, den Gedankenfluss entfachend, die Gefühle von ihren Zwängen befreiend. Musik als Prozess, der Zeit braucht, um den Erwartungen gerecht zu werden. Fünf Jahre hat der Londoner Sänger, Produzent und DJ Ben Westbeech für sein zweites Album gebraucht. Nach polyrhythmischem Klangdebüt auf Gilles Petersons Brownsville Recordings, Seelendürre. Von Stilreichtum zu stiller Krise. Fünf Jahre gefühlt und gefüllt. Ohnmacht in Orientierungslosigkeit. Der Griff zu Hilfsmitteln leuchtet ein. Ein Licht im postdebütären Dunkel. Eine Erscheinung in Form von Strictly Rhythm und ein Produzenten-Lineup, das sich wie ein feierlicher Festival-Roster liest. Internationale Soundkompitenz und erstaunliche Pop-Potenz in hochtrabender House-Manier. Motor City Drum Ensemble, Lovebirds, Henrik Schwarz, Soul Clap, George Levin, Chocolate Puma, Rasmus Faber und Redlight. Berlin, New York, London, Bristol, München, Stockholm, Stuttgart. Um die Welt in – nagut – fünf Jahren. Muße braucht Zeit. Und Zeit braucht Muse, äh Musik.

Lev Nordstrom

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Die Abenteuer von Komet Bernhard

Mit diesem wunderbaren Mandala auf dem Rücken wurde ich von gleich 5 U-Bahn Sheriffs, harsch und ohne Ansprache, bei ganz ruhigem Verhalten, zum Verlassen des Bahnhofs aufgefordert. Mein Hilferuf bescherte mir gleich zwei T-Shirts, worauf diese jungen Männer den Bahnhof verlassen sollten. Nach Umleeren eines BVG Mülleimers in einen Anderen, unter aller lautestem Protest und [...]

Mit diesem wunderbaren Mandala auf dem Rücken wurde ich von gleich 5 U-Bahn Sheriffs, harsch und ohne Ansprache, bei ganz ruhigem Verhalten, zum Verlassen des Bahnhofs aufgefordert. Mein Hilferuf bescherte mir gleich zwei T-Shirts, worauf diese jungen Männer den Bahnhof verlassen sollten.

Nach Umleeren eines BVG Mülleimers in einen Anderen, unter aller lautestem Protest und Verfolgung der Sheriffs, stülpte ich mir den stinkenden Müllsack über den Kopf und schrie, und jetzt fahre ich U-Bahn, oder bin ich etwa noch nackt?

Der ganze U-Bahn-Schacht war voller Solidarität und lauthalsem Gelächter gefüllt. Mein auf dem Boden liegendes Fahrrad wurde von Jungs, mir nach, in die sehr volle Bahn gehievt, und unter Deckung der Zugang zur Bahn freige- geben.

Die Sheriffs mussten mich samt Fahrrad verschwinden sehen. Bei dem gesamten Geschehen wurden nette Fotos geschossen, die nasse, stinkende, klebrige Plastikbekleidung hatte mir einen Platz zum Foto-Shooting in der Bahn verpasst.

Obgleich es ein heiden Spaß war, hat es mich zu Anfang der Geschichte geschockt, mit welcher verbalen Härte und welchem Personalaufwand mir friedlichen, mit heiligen Zeichen be- malten, zahlenden Bahngast begegnet wurde.

Ich habe ihnen noch zugerufen, das sie einen guten Job haben, ihn dann bitte auch gut machen sollen. Nach der Fra- ge, ob sie den Rausschmiss ernst meinen, war die Antwort: ganz ernst, tot ernst ohne Diskussion. Und jetzt ver- lassen Sie den Bahnhof!

Text: Emin Mahrt & Komet Bernhard


Wir verlosen 3×2 Karten für die Jägermeister Wirtshaus Tour in Leipzig

Wer am 6. Oktober in Leipzig ist, kann sich im Wirtshaus am Monarchenhügel, Kavinsky & Slagsmålsklubben anschauen. Schreib uns an win@proud.de.

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David August – Believe the hype

Es kommt dann doch eher selten vor, dass ich mir für ein Interview mit einem DJ den Wecker stellen muss. Ich treffe David August um 11 Uhr am Wrangelkiez, wo er auch seit einiger Zeit wohnt. 2010 landete er mit „Moving Day“ einen veritablen Hit und sein differenziertes Musikverständnis spiegelt sich in seinen weltweiten DJ-Sets [...]

Es kommt dann doch eher selten vor, dass ich mir für ein Interview mit einem DJ den Wecker stellen muss. Ich treffe David August um 11 Uhr am Wrangelkiez, wo er auch seit einiger Zeit wohnt. 2010 landete er mit „Moving Day“ einen veritablen Hit und sein differenziertes Musikverständnis spiegelt sich in seinen weltweiten DJ-Sets fein strukturiert wieder. Neben seinem Hauslabel „Diynamic“ hat er bereits auf „Stil vor Talent“ und „Cocoon“ veröffentlicht. Nicht gerade die schlechtesten Adressen und man könnte meinen er wäre schon ewig dabei. David August ist vor Kurzem 21 Jahre alt geworden. proud trifft einen der hoffnungsvollsten deutschen Produzenten und DJs.

Ursprünglich kommst Du aus Hamburg. Warum bist jetzt nach Berlin gezogen?

Ich bin nach Berlin gezogen, um hier zu studieren. Ich habe seit April 2011 ein Studium zum Tonmeister angefangen. Darauf habe ich mich in den letzten 1,5 Jahren bereits vorbereitet, dieses Ziel hatte ich immer im Hinterkopf. Jetzt läuft alles und ich bin sehr glücklich.

Du bist mittlerweile so bekannt, dass es durchaus eine Option gewesen wäre, ausschließlich auf die Musik zu setzen. Hast du nie mit dem Gedanken gespielt?

Ich lebe ja auch davon, dass ich den Job als DJ aussübe. Ansonsten könnte ich mir das Leben in Berlin gar nicht leisten. Mein Studium erfüllt mich aber genauso. Ich mache kein trockenes BWL-Studium, wo ich mein Hobby pflegen muss, wenn ich am Wochenende unterwegs bin und am Montag dann in eine andere Welt eintauche. Sowas könnte ich nicht. Die beiden Teile meines Lebens harmonieren sehr gut. Besser geht’ s nicht!


Wissen deine Kommilitonen, dass du als DJ und Produzent unterwegs bist?

Ja, das ist witzig, die haben das so Stück für Stück mitbekommen, dass ein David August auf der Uni ist. Vielleicht ist es etwas Besonderes, was ich mache, aber auch viele andere dort sind sehr gut in ihren Bereichen und außerhalb der Uni musikalisch aktiv. Da sehe ich mich nicht in einer Sonderrolle.

Im Internet habe ich nicht so viel zu dir gefunden, aber bemerkenswert war, dass sich die meisten Artikel immer dein junges Alter thematisierten. Nervt dich sowas mittlerweile?

Generell ist es sicher ein Bonuspunkt von mir in einem Business erfolgreich zu sein, in dem doch die meisten älter sind als ich. Was mich eher nervt, sind die vielen alten Pressetexte, die immer noch von mir überall veröffentlicht werden. Auf der Cocoon-Compilation ist z.B. ein Text von 2008. Es wird also Zeit für neue Releases…

Dein Track „True Romance“ ist auf der Cocoon-Compilation. Für viele Künstler ist das eine Art Ritterschlag. Wie ist es dazu gekommen?

Ich wollte Diynamic immer als Homebase behalten, aber hatte auch schon überlegt auf anderen Labels zu veröffentlichen. Kurz vor dem Release der Compilation fragte mich Cocoon dann nach einem Track. Ich habe mich 2 Tage eingeschlossen und stand zeitlich ziemlich unter Druck. Bei diesem Track ist genau zur richtigen Zeit das Richtige passiert. Bei der Produktion fällt man dann wie in eine Art Trance und merkt gar nicht, wie schnell man fertig wird. Wenn der Flow stimmt, kann man einen Hit in 2 Stunden realisieren.

David August – True Romance by cocoonrecordings

Ist „Moving Day“ ähnlich schnell entstanden?

Da war es so, dass ich Solomun die Vorversion des Tracks als Vorschlag für einen Bonustrack meiner EP schickte. Zunächst behandelte der Track zwei verschiedene Themen und sein Vorschlag war nur eines der beiden Themen zu nehmen, einen Höhepunkt herauszuarbeiten und alles stimmiger zu machen. So ist dieses Stück dann entstanden. Dass es dann so groß werden würde, damit habe ich nicht gerechnet.

1. David August – Moving Day by Diynamic Music

Gab es einen speziellen Moment für dich, den du speziell mit diesem Lied verbindest?

Ich bekomme jetzt schon Gänsehaut, wenn ich daran denke. Das war auf der 5 Jahres Party von Diynamic in der Panoramabar und mein bislang einziger Auftritt dort. Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen den Track dort nicht zu spielen, weil er mir damals schon zu alt erschien. Natürlich ist es immer verlockend, weil ich weiß, wie gut der Track ankommt. 5 Minuten vor Ende meines Sets ging ich dann zu Solomun und fragte ihn, ob ich es machen soll. Er sagte: „Mach es!“, und die Panoramabar flippte kollektiv aus. Es war eine einzigartige Atmosphäre und ich hatte Tränen in den Augen. Das war mein „Moving Day“ Erlebnis.

Du bist schon sehr jung hinter die Turntables getreten. Hat es überhaupt jemals eine Zeit als Clubgast für dich gegeben?

Mit 15, 16 war ich schon oft mal unterwegs. Allerdings nicht in Clubs, sondern eher bei Abipartys. Die Musik stand da natürlich nicht im Vordergrund. Da lief David Guetta Elektro und es ging eher darum das hübsche Mädchen aus der Paralellklasse kennenzulernen. Eine richtige prägende Clubzeit hatte ich nicht. Ich habe aber auch gemerkt, dass ich das nicht brauche. Seitdem ich in Berlin wohne, war ich auch nur einmal privat in einem Club. Vor einigen Wochen bei Heidi’s Jackathon Party im Watergate. Solomun hat ein wirklich tolles Set auf dem Waterfloor gespielt und es hat auch viel Spaß gemacht. Ansonsten treffe ich mich aber lieber mit meinen Freunden oder fahre nach Hamburg. Die Party während meiner eigenen Gigs reicht mir vollkommen aus.

Solomun hat dich sehr in deiner Karriere unterstützt. Wie kann man sich das Verhältnis innerhalb von Diynamic vorstellen?

Es ist auf jeden Fall mehr als nur ein Arbeitsverhältnis. Wir sind alle mittlerweile ziemlich zusammen gewachsen, auch wenn ich erst seit etwas mehr als einem Jahr dort bin. Ich freue mich immer wenn Solomun und David August zusammen auf einem Flyer stehen, weil wir dann meistens back 2 back auflegen. Privat und musikalisch verstehen wir einfach sehr gut. Ich habe einen italienischen Backround, er ist Halbkroate und Adriano ( Diynamic, Anm. Red.) ist auch Halbitaliener. Vielleicht ist es dieser mediterrane, südeuropäische Flair, der uns nochmal von anderen Labels unterscheidet. Wir verstehen uns alle sehr gut.

Ihr habt einen sehr charakteristischen Sound in den Clubs etabliert. Kann man schon vom Diynamic Trademark Sound sprechen? Wie siehst du das?

Solomun würde sich freuen, wenn er das hört! Das ist für ein Label natürlich das Beste. Bei mir war es so, dass ich mich ab einem bestimmten Zeitpunkt hinterfragt habe, wer ich denn eigentlich bin und für was ich stehe. Ich bin jetzt nicht mehr der David, der damals „Trumpets Victory“ gemacht hat. Wenn ich den höre, erkenne ich mich nicht mehr darin. Mit Vielen meiner früheren Releases kann ich mich nicht mehr identifizieren, auch wenn sie Teil meiner Geschichte sind. Ich war sehr jung und man merkt, dass ich keinen roten Faden verfolgt habe. Wenn man sich beispielsweise die Karriere von Stimming ansieht erkennt man sein klares Soundkonzept viel besser als bei mir. Momentan bin ich, im Zuge meiner Albumproduktion, einen Sound zu entwickeln, für den ich längere Zeit stehen kann.

Mit welcher Ambition gehst du heute in ein DJ-Set?

Ich verfolge meist ein klares Soundkonzept. Ich versuche mit Gefühl und Soul den Arsch zum Wackeln zu bringen. Ich mag Musik, die sexy ist und einen gewissen Sexappeal hat. Man hört es auch bei Solomun oder bei H.O.S.H. Wir mögen es cool, groovy und sexy. Natürlich muss man auch immer darauf achten, wie die Leute reagieren. Ich habe letztens in Spanien auf einem Festival gespielt. Der DJ vor mir hat so ca. 130 Bpm gespielt mit sehr vielen Effekten. Die Leute haben zwar schon getanzt, aber richtig glücklich schienen die auch nicht zu sein. Ich habe dann nach ihm mit einem ziemlich langsamen Intro angefangen und es wurde noch nie so schnell leer bei mir. Das war wirklich der Hammer. Nach 5 Minuten waren noch 10 Leute auf dem Flor und das bei einem Festival. Ich dachte mir: “David, damit musst du jetzt leben”, aber ich wusste dass ich mit dem Tempo so runtergehen musste, damit meine härteren Sachen einen Eindruck hinterlassen. Hätte ich meinen härtesten Song direkt nach seinem Gebretter gespielt, hätte das überhaupt keinen Effekt gehabt. Nach dem Intro standen wirklich nur noch 5 Leute da. Nach einer Stunde war es dann aber dreimal so voll wie bei dem DJ vor mir. Man muss versuchen den Leuten die Musik zugänglich zu machen. Hätte ich versucht mit diesem Typen mitzuhalten, hätte das dahin gehend keinen Sinn gemacht. Das war etwas, was ich früher als Gast auf Partys nie verstanden habe. Wenn der Hauptact angefangen hat zu spielen und es etwas langsamer wurde, wollte ich immer Partymusik hören. Damals war ich gerade 16 Jahre alt. Mittlerweile sehe ich das anders.

David August – East Side Story Mix – May 2011 by davidaugust

Wie siehst du deine Zukunft als DJ?

Für mich ist das ein Job, der sich ab einem gewissen Alter dem Ende zuneigt. Die Szene ist sehr jung und ein älterer DJ hat bei einem Publikum von 18-27 jährigen einfach nichts zu suchen. Mein Ziel ist ein Job in der Musik auszuüben, aber nicht das Deejaying. Durch mein Tonmeister Studium bin ich da glaube ich schon auf einem sehr guten Weg.

Das Album wird 2012 erscheinen. Kannst du schon etwas darüber verraten?

Das Album wird viele Leute ziemlich schocken. Es wird Musik sein, die man nicht von kennt und so vielleicht auch nicht erwartet hätte. Viele Tracks werden sehr langsam sein, teilweise unter 100 BPM. Wie schon gesagt, braucht man keine Geschwindigkeit um einen Club zum Rocken zu bringen. Das Album wird stark in diese Richtung gehen und ich werde es als Liveact umsetzen, auch wenn wahrscheinlich nicht alle Tracks dabei zum Einsatz kommen werden. Es wird ein Konzeptalbum, das man auch zu Hause hören kann.

Interview Daniel Penk

Illustrationen Anna Haenko

Fotos Jonas Lemminger


Listen to… The Field

Wer in der Provinz aufgewachsen ist, für den war der EMP-Katalog nicht nur Mailorder für Metal-Devotionalien jeglicher Art, sondern stets auch ein Stück Lebenshilfe zur bisweilen prekären Orientierung zwischen Bandshirts, Moped, verregneten Nachmittagen und Dorfdisko. In der Musikabteilung jenes EMP-Katalogs gab es damals die wunderbare und unbedingt sinnvolle Unterscheidung zwischen „Normalo“ und „Brutalo“, in die [...]


Wer in der Provinz aufgewachsen ist, für den war der EMP-Katalog nicht nur Mailorder für Metal-Devotionalien jeglicher Art, sondern stets auch ein Stück Lebenshilfe zur bisweilen prekären Orientierung zwischen Bandshirts, Moped, verregneten Nachmittagen und Dorfdisko. In der Musikabteilung jenes EMP-Katalogs gab es damals die wunderbare und unbedingt sinnvolle Unterscheidung zwischen „Normalo“ und „Brutalo“, in die alle Bands, analog zu ihrem Härte- und Geilheitsgrad, binär rubrizierbar waren. Weitet man diese Unterscheidung auf elektronische Musik aus, so scheint Schweden auf der „Brutalo“-Skala dunkelrot aufzuleuchten. Beyer, Lekebusch, Mull, die Namen sind bekannt, die Bandagen hart und funktional. Als wohl interessanteste Ausnahme vom nordischen Geklöppel der üblichen Verdächtigen empfiehlt sich seit seiner ersten EP auf Kompakt (2005) Axel Willner aka The Field. Sein neues Album „Looping State Of Mind“ ist – nomen est omen – voll von subtil verstrahlten Loops, deren kunstvoll verdichtetes Layering den Eindruck erzeugt, hier wandele jemand auf den elektronischen Spuren der legendären britischen Shoegaze-Combo My Bloody Valentine. Wo der Vorgänger „Yesterday und Today“ etwas zu oft in wohlklingend redundantes Fahrwasser geriet, macht Willner hier alles richtig: Präzise zerhackte Stringflächen, effektive Breaks, dazu eine druckvolle und zugleich einlullende Bassdrum. Vor allem jedoch: Atmosphärische Dichte im Cinemascope-Format. Das geschickt arrangierte Schichtgewitter besteht aus raumgreifenden Ambient-Fragmenten (Willner kam dank einer Aphex-Twin-Erleuchtung vom Indierock auf elektronische Pfade) und klassischen Techno-Patterns sowie einem Hauch von Acid. Diese Mischung erzeugt auf „Looping State Of Mind“ einen Grad höchster Verdichtung, der jedoch niemals zu dick aufgetragen ist, sondern stets fein austariert zwischen fragiler Euphorie und Melancholie oszilliert.


Snoopdose – Soberdose extra high

In der Soberdose werden keine illegalen Drogen besprochen. Bei dem Konzert von Snoop Dog kommen unsere Gastautoren Pypi Vogel und Mosche Kreuzberg jedoch nicht um den Konsum vonTHC herum. Die Autoren bitten um Nachsicht! Pypi: Snoop ist in Berlin. Aber Snopp Dogg hat Angst vor Kreuzberg. Lev ruft an. Levs Anrufe sehen so aus: „Ey, meinst [...]

In der Soberdose werden keine illegalen Drogen besprochen. Bei dem Konzert von Snoop Dog kommen unsere Gastautoren Pypi Vogel und Mosche Kreuzberg jedoch nicht um den Konsum vonTHC herum. Die Autoren bitten um Nachsicht!

Pypi: Snoop ist in Berlin. Aber Snopp Dogg hat Angst vor Kreuzberg. Lev ruft an. Levs Anrufe sehen so aus: „Ey, meinst du, du hast / du kannst / du willst…?“ Aber es geht los mit: „Äh… du… also ich hab einen Anruf bekommen…“ Okay – “Also… ich werde vor Snoops Show als Opener in der Columbiahalle auflegen.“ Jubel auf beiden Seiten der Leitung. Fashizzle – nochmal! Alle sind aus dem Häuschen und wir…

Mosche: Alter, komm auf den Punkt!

Pypi: Was ist denn mit dir? Egal! Ab in die Columbiahalle. Sie feiert ihren 60. Geburtstag, und leistet Berlin seit 13 Jahren treue Dienste. Da hat Snoop bereits sein drittes Album draußen. Die ersten beiden Alben kamen bei Death Row heraus…

Mosche: Ist okay, Pypi! Das erste was ich dort sehe, ist ein ausgeleuchteter Brezelstand. Pfui, Alter. Bier war klar, aber weiche Brezeln – Teigmasse? Bei Snoop wurden dicke Brezeln gegessen, das sagt alles.

Pypi: Vom Eingang mit der Fressmeile kämpfen wir uns in die erste Reihe; wollen Lev von vorne aus supporten. Unser Versuch wird in der vierten Reihe gestoppt. Mosche bleibt stehen. Er ist eine Plage.

Mosche: Danke, du kleine Prinzessin! Als mir ein Aggro-Atze in die Rippen boxt bleibe ich – natürlich – stehen. Ich lächle den Typen an, er ist zwei Köpfe kleiner als ich. Auch gut. Pypi motzt: Wir würden auch nach dem DJ wieder weggehen. Trotzdem bleiben wir genau dort stehen.

Pypi: Kaum geht es los, heulen die Mädchen neben uns auf: „Boah ist das laut, ey!“. Lev macht sein Set, heute als Mr. Transatlantic. Wir feiern aber Mr. White Chocolate, er ist nämlich Opener von Snoop! Party on, wir bouncen. Als er nach seinem Feierabend zu uns kommt, hat er Snoop nicht einmal backstage gesehen. Der wäre hermetisch abgeriegelt. Hat Snoop Angst vor Kreuzberg?

Es wird heiß, die Gäste werden unruhig und Snoop Doggy Doggs DJ spielt einen einstündigen Hip Hop-Mix von der CD ab. Doch die Leute wollen Snoop live, nicht Hip Hop-Mix von der CD. Alle ziehen Fressen, es wird unruhig.

Mosche: Snoop hat Angst vor Kreuzberg! Gäbe es Glasflaschen, dann würde ich die jetzt auf die Bühne werfen. Als wir uns entschließen zu gehen, kommt Snoop endlich mit großem Tamtam auf die Bühne. Immerhin. Tiefer Sound und eine atemberaubende Beleuchtung und wir werden Teil der Show. Ich kann mich nicht satt sehen. Da ist zum Beispiel der füllige Bodyguard im besten Alter. Mit spiegelnder Glatze, wachen Augen und gepflegtem Schnauzbart steht er in seinem Zweireiher wie ein Wachhund hinter dem Lautsprecher auf der Bühne. Regungslos schaut er sich das Publikum an, eine Motown-Traumrolle in der großen Snoop-Show. Alles funktioniert, wir jubeln und freaken und doch – wir sehen eine Hollywood-Inszenierung auf Riesenleinwand.

Pypi: Echt mal, wir atmen nicht die gleiche Luft mit Snoop. Es ist eine komplett surreale Situation. Da steht plötzlich das Jugend-Ghetto-Idol live auf der Bühne, Warren G kommt vorbei, als wäre nichts gewesen, aber aber alles ist hier Puppentheater. Ein bisschen „I say this and you say that“ ist alles an Interaktion mit uns. Wahrscheinlich würde er uns auch weiter animieren, wenn wir ihn nur still und stumm anglotzen würden. Es ist wie auf einer DVD. Mal abgesehen, dass er uns ständig zum Grasrauchen auffordert und dabei übersehen haben muss, dass die sehr wichtigen Sicherheitsleute mit Solarent- Chick und Pumperbody an der Tür Tabakbeutel filzen und das gefundene Gras rigoros wegwerfen. Die Columbiahalle ist ja offiziell rauchfrei. Einen Tag später berichtet die Berliner Presse, dass die Columbiahalle selten so verraucht gewesen wäre. Schon klar.

Mosche: Tolle Show, merkwürdiges Umfeld! Zum Schluss ein grauenhaftes Schwanzfinale. Snoop zeigt wie down er mit Kreuzberg ist und holt den musikalischen Penis aus der Hose: „Sweat“ featuring Guetta. „All the girls sing this!“ fordert er und alle Girls krächzen ihm halblaut irgendwas entgegen. „All the boys sing that!“ und alle Boys prollen jaulend wie wilde Hunde. Die Mädchen Mauerblümchen, die Jungs Gorillas – zu viel Schwanz für alle.

Pypi: I wanna make you sweat, das ist einfach eine miese Ansage. Alter, pack den Penis wieder ein! Damit finanziert er doch nur seine Rente. Puppentheater! Bis zum letzten Lied sogar ein gekonntes Puppentheater, aber immer noch Theater. Danach sind wir ohrtot.

Mosche: Ja, das ist krass. Ich nenne dich zum Test sogar Schlampe, aber du

kriegst nichts mehr mit. Zweimal sogar, biatch!

Pypi: Was bitte?! Du Assi.

Wer Snoop in der Columbiahalle verpasst hat, sollte sich einen Beamer mit Soundanlage holen und seine Homies zu einem Youtube-Abend einladen. Die Show wird funktionieren.

Pypi: …und rauchen ist dann auch erlaubt.

Text Pypi Vogel, Mosche Kreuzberg


MDMA Chat

Vor einiger Zeit, bei einem von unseren unzähligen Interviews mit Berliner DJ-Größen, wurde die Frage gestellt: “Was macht eigentlich eine gute Party aus?”, die Antwort des DJs: “Die Pille macht die Party”. Das war irgendwie unbefriedigend. Aber Drogen, angefangen bei Bier und Kippen, bis zu illegalen Substanzen, sind auch in meinem Bewusstsein fest im Partykontext [...]

Vor einiger Zeit, bei einem von unseren unzähligen Interviews mit Berliner DJ-Größen, wurde die Frage gestellt: “Was macht eigentlich eine gute Party aus?”, die Antwort des DJs: “Die Pille macht die Party”. Das war irgendwie unbefriedigend. Aber Drogen, angefangen bei Bier und Kippen, bis zu illegalen Substanzen, sind auch in meinem Bewusstsein fest im Partykontext verankert und ausschlaggebend für die besondere Dynamik, die das “feiern” vom Alltag unterscheidet.

Feste und in einem gewissen Maß auch Drogen sind wichtige Katalysatoren für das Sozialverhalten.
Menschen haben natürlich schon lange bewusstseinsverändernde Substanzen eingenommen und Feste gefeierte bei denen, die im Alltag herrschenden Konventionen endlich gebrochen werden dürfen. Trotzdem, irgendwie sind wir anders.

Berlin hat Standortfaktoren, die das Erschaffen einer Welt begünstigen, die sich sehr von ihren Vorgängern unterscheiden. Das Leben in Berlin ist billig und es gibt tatsächlich immer eine Party.

Anders als bei anderen Generationen, den meisten Ländern und Metropolen, ist in Berlin das Verhältnis zwischen Arbeit und Lebensqualität einzigartig günstig. Was den Berlinern einerseits große Freiheiten einräumt, andererseits aber auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung abverlangt, der einige nicht gewachsen sind. Mit etwas Geld vom Staat einem Nebenjob und ein paar Kontakten ist es leicht den Großteil der Woche zu “verfeiern”.

So werden Feste, die eigentlich Ventil und Zäsur des Alltags sind, zum Alltag selbst.
Den Reiz der Feste, die alltägliche Grenzüberschreitung und kritiklose Selbstverwirklichung ist vor allem der Einnahme selbstbewusstseinserweiternder und Angst hemmender Drogen zu verdanken.

Es wird viel erlebt, man lernt viele Leute kennen und erzählt Freunden Dinge, die man ihnen im Alltag nicht sagt. Die Hemmschwelle für soziale Interaktionen ist sehr gering, darum passiert so viel. Aber man feiert mit gedopter Persönlichkeit.
Es wird im Anderen ein Bild der eignen Person erzeugt, das selbstständig, nicht aufrechtzuerhalten ist. Als ich neulich einen Freund fragte, ob seine Bekannte immer so schlecht drauf ist, meinte dieser – “sie lacht nur, wenn sie feiert”. So entstehen viele oberflächliche Bekanntschaften, die selten den Weg in den Alltag schaffen und oft der eigenen Profilierung dienen.

Das Selbstbewusstsein ist künstlich und kann den Alltag zwischen den Festen allmählich nebensächlich oder gar zur Hölle machen. Bei Feiern werden die Probleme im gemeinschaftlichen Konsens ausgeblendet, um die Atmosphäre nicht zu zerstören.
Es entsteht ein Wettbewerb darum, wer am ausgiebigsten feiern kann, ohne dabei seinen Alltag zu stark in Mitleidenschaft zu ziehen. Oft ist es dieser Anschein, der Außenstehenden die Entscheidung zum Konsum so leicht macht, da die Folgen nicht einzusehen sind.

Der Übergang zwischen gelegentlichem Konsum zum festen Bestandteil des Lebens kann man nicht immer wahrnehmen. Das Zitat “Wenn man aufhören kann, will man nicht. Wenn man aufhören will, kann man nicht.” trifft hier leider oft genug zu.

Der Einstieg zu härteren Drogen ist gerade in der Berliner Clubszene sehr leicht, weil der Konsum inzwischen ein fester Bestandteil der Feierkultur geworden ist. Das Bild des Drogensüchtigen hat sich verändert, Abhängige verkehren im selben Milieu und sind nicht mehr die gesellschaftlich geächteten Junkies aus der Generation unserer Eltern.

Jeder kennt sich selbst und seinen Körper natürlich am besten und ein erhobener Zeigefinger hat in solchen Fällen noch nie etwas genutzt. Es ist aber sicher nützlich über das eigene Konsumverhalten, ob es jetzt Alkohol oder Härteres ist, zu reflektieren und die Verknüpfung Party und Drogen etwas aufzulockern. Im Anschluss wollen wir über eine der gängigsten Partydrogen etwas Aufklärung leisten.

Text Moritz Stellmacher

Hallo Prof. Quednow, stellen Sie sich doch kurz vor und erzählen uns, woran Sie gerade arbeiten.


Mein Name ist Boris Quednow, ich bin Assistenzprofessor und Arbeitsgruppenleiter an der psychiatrischen Universitätsklinik in Zürich. Ich habe zunächst Pharmazie und dann Psychologie studiert und interessiere mich vor allem für die Neuropharmakologie psychischer Prozesse und damit zusammenhängend forsche ich über die Folgen des Konsums illegaler Substanzen. Ein Schwerpunktthema ist seit langem Ecstasy, ich habe über die Folgen des Konsums promoviert, damals noch in Bonn. In der Folge habe ich eine weitere große Ecstasy-Studie hier in Zürich durchgeführt, die aber momentan noch nicht publiziert ist.

Was ist MDMA und was löst es chemisch, psychisch und physisch aus?


MDMA ist ein substituiertes Amphetaminderivat, das heißt, die Grundstruktur ist ein klassisches Amphetamin, das etwas verändert wurde. Diese kleine Veränderung bewirkt aber, dass etwas ganz anderes passiert als beim reinen Amphetamin.
Die Wirkung sieht so aus: Stellen sie sich eine synaptische Reizübertragung vor, d.h. an einer Synapse, wird ein Botenstoff ausgeschüttet, der über den synaptischen Spalt zur gegenüberliegenden Membran der nächsten Nervenzelle wandert und dort an Rezeptoren bindet, wodurch die Information weitergeleitet wird. An der Membran der Synapse befinden sich Transporter, die normalerweise dafür sorgen, dass der Neurotransmitter, der ausgeschüttet wurde, auch wieder zurück aufgenommen und damit sozusagen recycelt wird. Diese Transporter werden vom Ecstasy nun bei einem bestimmten Botenstoffsystem, dem Serotonin-System, nicht nur blockiert, sondern praktisch umgedreht. Dieser Mechanismus führt dazu, dass ein Großteil des gespeicherten Serotonins ausgeschüttet wird und für längere Zeit im synaptischen Spalt verbleibt. Die Wirkung führt vor allem zu einer Antriebssteigerung wie auch zu starken emotionalen Veränderungen und. Diese zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass es oft zu einer starken Verringerung von Ängsten kommt und gleichzeitig ein emotionales Sichöffnen möglich wird. Deshalb wird diese Substanz auch zu der Gruppe der Entaktogene gezählt. Diese Substanzklasse hat man geschaffen, weil man eine Wirkung beschreiben wollte, die zwischen den Stimulanzien und Halluzinogenen liegt. MDMA hat von beidem etwas. Es hat eine ganz leichte halluzinogene wie auch eine stimulierende Wirkung. Es hat aber als darüber hinausgehende Qualität einen starken emotionalen Effekt und eine starke Euphorisierung.

Wenn sie von Ecstasy reden meinen sie da auch MDMA, ich meine es gibt ja einen Unterschied vonMDMA und Ecstasy und bei Ecstasy weiss man ja weniger, was da drin ist.


Tatsächlich waren über einen ganz langen Zeitraum, fast über die zweite Hälfte der Neunziger und über die erste Hälfte der 2010er Jahre, die Ecstasy Pillen sehr rein. Das heißt, dass über 95% der Pillen ausschließlich MDMA enthalten haben. Das unterdessen die Pillen tatsächlich weniger rein geworden sind, ist ein Problem der letzten fünf bis sechs Jahre, in welchen immer öfter bestimmte Beimengungen aufgetaucht sind. Das mag zum einen daran liegen, dass ein Grundstoff, den man zur MDMA-Herstellung benötigt, das Safrol, schwerer zu beschaffen war, da die USA großen Druck auf Länder wie China ausgeübt hat und so das Safrol, nicht mehr so einfach von den Drogenlaboren eingekauft werden konnte. Mittlerweile hat sich die Lücke wieder geschlossen und das Safrol kommt heute wahrscheinlich aus Westafrika. Zumindest in Zürich gibt es daher momentan wieder den Trend hin zu reineren Pillen. Auch wenn die Ecstasy-Pillen erstaunlich rein sind, besteht nach wie vor das Problem, dass es natürlich immer wieder einzelne „unreine“ oder massiv überdosierte Pillen gibt und der Konsument tatsächlich nie weiß, ob er eine Pille gekauft hat, die auch Substanzen enthalten kann, die er definitiv nicht nehmen möchte. 
Allerdings muss ich noch anfügen, dass auch das, was als kristallines MDMA verkauft wird, nicht immer MDMA ist. Auch hier gibt es immer wieder Proben, die etwas anderes enthalten, als das, was der Verkäufer angegeben hat. Dennoch können wir im Rahmen unserer Forschung davon ausgehen, dass die Mehrzahl der kristallinen Form und der Ecstasy-Pillen in der Regel MDMA enthält, deswegen verwenden wir diesen Begriff Ecstasy und MDMA meistens synonym.

Gibt es Ursachen dafür, dass Botenstoffe wie Serotonin gebildet werden?


Nein. Wir brauchen Serotonin permanent. Serotonin gehört zu den ältesten Neurotransmittern. Alles was ein Nervensystem hat – auch eine Nacktschnecke – hat wahrscheinlich auch den Botenstoff Serotonin. Im menschlichen Gehirn ist Serotonin wirklich einer der verbreitetsten Neurotransmitter, und eigentlich in allen Hirnarealen in großer Menge zu finden. Serotonin spielt wirklich bei ganz vielen, eigentlich bei allen Hirnfunktionen eine Rolle.

Wird bei einer erhöhten Ausschüttung, die z.B. durch Drogen induziert wird später auch mehr Serotonin gebildet, oder wird es immer nur zyklisch neu gebildet?


Bei MDMA wird viel Serotonin ausgeschüttet und es hat noch eine andere etwas fatale Wirkung,MDMA hemmt die Tryptophanhydroxylase. Dies ist ein Enzym, was bei der Synthese von Serotonin eine große Rolle spielt, d.h. MDMA führt auch dazu, dass für eine gewisse Zeit weniger Serotonin neu gebildet wird. Das hat zur Folge, dass nach Abklingen der akuten Wirkung, aber auch noch Tage danach, ein Serotoninmangel-Symptom eintritt. Das kennen viele Konsumenten als Mid-Week-Blues, das heißt, wenn am Samstag Party war, fühlen sich viele der Konsumenten gegen Dienstag, Mittwoch depressiv, ängstlich und antriebsgemindert. Bei den meisten klingen die Symptome dann zum Ende der Woche wieder ab, weil der Körper dann neues Serotonin gebildet hat und der Haushalt sich wieder reguliert. Es gibt eine akute Wirkung, eine post-akute Wirkung und eine chronische Wirkung, wobei dieser Mid-Week-Blues noch in die post-akute Phase fallen würde. Bei der chronischen Wirkung geht es dann darum, das haben verschiedene Studien nahe gelegt, dass es auf Dauer tatsächlich zu einem anhaltenden Serotonin-Defizit kommt.

Wie sehen Langzeitschäden aus?


Es gibt Folgen des Ecstasy-Konsums die weitgehend gesichert sind, wo aber die Ursachen nicht ganz klar sind. Aber wir wissen, dass intensive Ecstasy-Konsumenten, wenn sie eine bestimmte Zahl von Pillen überschreiten mit großer Wahrscheinlichkeit moderate Gedächtnisdefizite entwickeln. 
Wir haben eine Stichprobe von Ecstasy-Konsumenten untersucht, die im Mittel 23-24 Jahre alt war aber Gedächtnisleistungen zeigten wie man sie bei 60 Jährigen erwarten würde. Das hat uns schon recht beeindruckt. Auch in der Stichprobe, welche ich hier in Zürich erhoben habe und welche im Mittel noch mehr MDMA konsumiert hatte, waren die Gedächtniseffekte wirklich sehr ausgeprägt. Die Effekte in anderen kognitiven Bereichen, wie z.B. den höheren Planungsfunktionen, fallen hingegen weit geringer aus. Das Problem ist, das wir nach wie vor nicht wissen, was mit diesen intensiven Konsumenten eigentlich später passiert, selbst wenn sie – wie die meisten – jenseits der 30 von alleine aufhören Ecstasy zu konsumieren. Was passiert mit deren Gehirnen 30 Jahre später, wie sieht deren Gehirn mit 60 aus? Hat sich da alles erholt oder zeigen diese Konsumenten beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Demenzen? Das wissen wir noch nicht, weil es die Substanz noch nicht so lange gibt. Das ist völlig unterforscht, wir wissen nichts über die tatsächliche Langzeitwirkung am Menschen.

Gibt es noch andere Langzeitschäden, wie zum Beispiel langfristige Depressionen?


Ja das ist ganz spannend, aber da gibt es bis heute auch keine wirklich guten Daten.
Die ersten Studien hatten gezeigt, dass Ecstasyuser tatsächlich ein erhöhtes Risiko für Angsterkrankungen, Depressionen und Psychosen haben sollten. Es gab aber eine sehr gute Längsschnittstudie des Max-Planck-Institutes für Psychiatrie in München, in welcher Schülern über einen längeren Zeitraum begleitet wurden. Diese Studie hat gezeigt, dass bei Ecstasy-Konsumenten mit psychischen Problemen diese Probleme schon vor dem Konsum bestanden haben, d.h., dass die, die angefangen haben zu konsumieren auch die waren, die vorher schon Anzeichen für psychische Veränderungen gezeigt hatten. Man konnte hier also nicht bestätigen, dass das Ecstasy hierfür verantwortlich ist, sondern die Probleme waren offenbar vorher schon da.
 Dann gibt es andere Studien, die sich große Populationen von Drogenkonsumenten angeschaut haben und das Auftreten von Depressionen in Bezug auf verschiedene Konsummuster untersucht haben. Hier war es eher der Cannabiskonsum der mit affektiven Problemen einherging und weniger das MDMA. Auch ein polytoxikomaner Drogengebrauch, also ein intensiver Mischkonsum vieler verschiedener Substanzen, war mit einem sehr hohen Risiko für psychiatrische Erkrankungen verbunden. Wobei hier natürlich die Richtung des Zusammenhangs unklar ist. Es ist ja wahrscheinlich, dass jemand der sehr wild durcheinander konsumiert möglicherweise vorher schon psychische Probleme mitbringt. Insgesamt ist dies alles bis heute nicht gut untersucht. Rein theoretisch würde man davon ausgehen, dass Ecstasy-Konsumenten langfristig eine höhere Gefährdung für psychiatrische Erkrankungen haben sollten, insbesondere im affektiven Spektrum und im Angstbereich, da das Serotoninsystem durch das MDMA nachhaltig beeinflusst zu werden scheint. Aber der Zusammenhang ist bis heute nicht ausreichend gezeigt worden.

Text Moritz Stellmacher
Grafik Vinzent Britz


#26 Last Word by Nina Schönn

Wo kämen wir hin, wenn alle sagten: Wo kämen wir hin – und niemand ginge, um einmal nachzuschauen, wohin man käme, wenn man ginge… +++Roma Jungs gehen in Neukölln auf den Strich+++DAX stürzt ins bodenlose+++London brennt+++Revolution in Spanien+++Homosexualität kann behandelt werden+++Amy Winehouse ist tot+++Facebook wird vernichtet+++Athener lassen das Hakenkreuz wieder aufleben+++China verbietet Filme über die [...]

Wo kämen wir hin, wenn alle sagten: Wo kämen wir hin – und niemand ginge, um einmal nachzuschauen, wohin man käme, wenn man ginge…

+++Roma Jungs gehen in Neukölln auf den Strich+++DAX stürzt ins bodenlose+++London brennt+++Revolution in Spanien+++Homosexualität kann behandelt werden+++Amy Winehouse ist tot+++Facebook wird vernichtet+++Athener lassen das Hakenkreuz wieder aufleben+++China verbietet Filme über die Landesvergangenheit+++Dieser Sommer ist zum Kotzen+++

Dahin sind wir also gekommen, sagen mir meine abonnierten Facebook- RSS’s. Schlechte Nachrichten, die haben wir normalerweise 9 Monate im Jahr, von September bis Mai und dazwischen liegt das Sommerloch. Monate, in denen man nicht auf dem neuesten Stand sein muss, um auf dem neusten Stand zu sein. In denen auf Titelseiten verkündet wird, dass die Tomate ursprünglich aus Peru, und nicht wie vorher angenommen, aus keine Ahnung woher stammt, dass es jetzt Leckerlies gibt, die Hund und Mensch gleichermaßen bekommen. Oder dass eine Sportlerin sich einen Penis hat anbauen lassen. Aber dieses Jahr hatten wir nicht frei. Wir mussten uns mit Aktienkursen und Arbeitslosigkeit auseinandersetzen, anstatt über Alltagsallerlei herzuziehen.

Es fehlten nicht nur Geschichten, die beim Grillabend lustig mit Freunden auseinandergenommen werden konnten, ohne in einer aggressiven Politik-Diskussion über das Nazi-Regime zu enden, es fehlten auch die Grillabende. Es fehlte das erfrischende Freiheitsgefühl beim Klippenspringen. Es fehlte das beruhigend warme Erfolgsgefühl nach einem Tag im Park, ohne was getan zu haben. Es fehlte: Die Sonne. Vielleicht hatten die Journalisten zu viel zu tun, als dass sie ihr Abendbrot aufessen konnten… oder ich habe die Sonne einfach verpasst, während ich der Computerstimme von Anonymus lauschte und überlegte, wie die Welt wohl nach dem 5. November aussieht. Vielleicht wäre es der Monat mit der größten Selbstmordrate, seit es Statistiken gibt, vielleicht würde ich nie wieder mit 97,3 % meiner gesammelten Freunde reden, vielleicht könnte ich dann aber das Sommerleben nachholen – ohne die gemeinen RSS-Feeds, die mir vor Augen halten, was ich alles nicht weiß, wenn ich einfach ausschalte und abschalte. Ich könnte originale Tomaten aus Peru probieren, mich mit Hunde-Leckerlies vollstopfen und das neue Körperteil von Balian Buschbaum begutachten.

Aber im November bin ich bereit für Input. Der abonnierte Spam voll Weltleiden würde mir in dieser deprimierenden Jahreszeit fehlen. Nach unfriedlichen Diskussionen über die Entstehung des Börsencrashs und die Wahrscheinlichkeit, dass Facebook bald Geschichte ist, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass die Anonymus-Gemeinde sich nicht nur ein dummes Datum für ihre Aktion überlegte, sondern auch, dass all meine Kopf-Szenarien umsonst waren. Ohne Pros und Kontras aufzuführen: Anonymus wird’s nicht bringen. Denn wo kämen wir hin, wenn jemand gegangen wäre, und keine Plattform hätte, um den anderen zu sagen, wo man hinkommen würde, wenn man ginge…

Und jetzt, da alles geklärt ist, wird mir bewusst: Die Journalisten essen gar nicht mehr.

Nina Schönn


Listen to… Rodriguez Jr.

Artist: Rodriguez Jr. Title: Bittersweet EP Label: Mobilee Irgendwo in der Blaupause, zwischen popgeschwängerten Melodien und den Lehren alter Meister, hat sich der Franzose Oliver Mateu ein wohlig warmes Klangdomizil gebastelt. Man hört förmlich wie ihm der virtuose Umgang mit den analogen Synthies Spaß gemacht haben muss und ein wenig fühle ich mich tatsächlich in [...]

Artist: Rodriguez Jr.
Title: Bittersweet EP
Label: Mobilee

Irgendwo in der Blaupause, zwischen popgeschwängerten Melodien und den Lehren alter Meister, hat sich der Franzose Oliver Mateu ein wohlig warmes Klangdomizil gebastelt. Man hört förmlich wie ihm der virtuose Umgang mit den analogen Synthies Spaß gemacht haben muss und ein wenig fühle ich mich tatsächlich in die Housefloors Anfang der 00er Jahre zurückversetzt. Platte an und der Film läuft. Jedes einzelne Stück verfolgt seine eigene Songstruktur und auf “Jack komm raus!” ist hier mal absolut gar nichts produziert. Ich fühle mich Zuhause und dort kann man diese Platte auch sehr gut hören. Gefühlte Leidenschaft.

Daniel Penk! Peng!

Rodriguez Jr. – Bittersweet single release – mobilee084 by mobilee records


Listen to… Ralph Myerz

Artist: Ralph Myerz Title: Outrun Label: Klik Records An bisherigen musikalischen Eindrücken gemessen ist das neue Solo-Album Outrun von Ralph Myerz, alias Erlend Sellevold aus Bergen, eigentlich eine der Neu-Veröffentlichungen, auf die man sich freut. Die Enttäuschung ist daher groß, sich mit ganz anderen Dimensionen von Produktion weit unter Potenzial konfrontiert zu sehen – vom Cover [...]

Artist: Ralph Myerz
Title: Outrun
Label: Klik Records

An bisherigen musikalischen Eindrücken gemessen ist das neue Solo-Album Outrun von Ralph Myerz, alias Erlend Sellevold aus Bergen, eigentlich eine der Neu-Veröffentlichungen, auf die man sich freut. Die Enttäuschung ist daher groß, sich mit ganz anderen Dimensionen von Produktion weit unter Potenzial konfrontiert zu sehen – vom Cover mal abgesehen, das noch mieser ist, als die Musik auf der Scheibe. Eigentlich ein begnadeter Produzent scheint Myerz auf Outrun einmal alle Effekte ausprobieren zu wollen, die einen guten Disco Beat in synthetisch kitschige, kosmisch ausufernde Vocoder und Keyboard-Katastrophen verwandeln. Soll das Retro sein? Wohl eher Modern Talking. Doch die vorliegende Presseinfo schmückt noch ein zweites Foto, für mich das bessere Album-Cover. Ralph Myerz vor einem coolen amerikanischen Automobil. Lässig steht er davor und stützt sich sanft auf der Motorhaube ab. Seinen Oberkörper schmückt ein schwarzes T-Shirt. Darauf in großen weißen Buchstaben die ohrenscheinliche Einstellung hinter dieser fehlgeleiteten Produktion: CAN BUT WONT. Dann halt nicht.

Lev Nordstrom

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